Kunsthalle Winti: Was wird nach dem Umbau neu, Direktorin Tedder?
Das Waaghaus wird umgebaut, deshalb lebt die Kunsthalle Winterthur aktuell ohne festes Domizil. Direktorin Geraldine Tedder gibt im Interview Auskunft.

Zurzeit ist das Waaghaus an der Marktgasse eingerüstet, Handwerker gehen ein und aus: Das Gebäude befindet sich in einer Sanierung. Deshalb sind das Figurentheater und die Kunsthalle temporär andernorts untergebracht.
Im Interview erzählt die Direktorin der Kunsthalle Winterthur, Geraldine Tedder, wo die Institution Unterschlupf erhält und was das Publikum im sanierten Waaghaus erwartet.
Redaktion: Wie geht es der Kunsthalle ohne festes Domizil?
Geraldine Tedder: Es geht uns gut. Wir durften ein Büro im Kunst Museum Winterthur beziehen. Wir waren vorher schon Nachbarn, jetzt sind wir noch näher am Museum dran.
Während wir im Normalbetrieb vier Einzel- oder Gruppenausstellungen plus Veranstaltungen planen, haben wir diesmal ein leicht reduziertes Programm mit drei Ausstellungen.
Redaktion: Wie einfach war es, verschiedene Ausstellungsorte in der Stadt zu finden?
Tedder: Wir sind auf offene Türen bei Gastspielstätten gestossen. Diese bieten ein grosses Potenzial.
Unterschlupf haben wir im Museum Schaffen sowie im Lesesaal des Kunst Museum und Naturmuseum Winterthur erhalten. Wir haben mit allen Institutionen einen guten Austausch.
Redaktion: Was waren die Herausforderungen beim Ausstellungsmachen?
Tedder: Wir sind einige Experimente eingegangen, wir haben geschaut, was der Ort hergibt, was können die einzelnen Räume? Jeder bietet ein individuelles Umfeld zum Bespielen – eine grosse Chance.

Wir haben vermehrt auf das Element Performance gesetzt. Es braucht mehr Flexibilität in der Planung, kurzfristig mit überraschenden Faktoren der unbekannten Räume umgehen können.
Redaktion: Wie hat das Publikum die Orte aufgenommen?
Tedder: Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten. Die Herausforderung besteht darin, das Publikum, das bisher zu uns kam, an die neuen Orte mitzunehmen und gleichzeitig das Publikum der neuen Orte für die temporären Ausstellungen zu begeistern. Dabei durften wir auf Unterstützung der Gastgeber zählen.
Redaktion: Gibt es Dinge, die Sie von anderen Orten gelernt haben?
Tedder: Andere Institutionen bedeuten einen anderen Kontext. Im Museum Schaffen konnten wir von ihren interaktiven Vermittlungsangeboten lernen.
Im Kunst Museum haben wir gespürt, was es bedeutet in einer grossen Institution Programm zu machen. Wir sind gespannt, was die Erkenntnisse sein werden im Campo, einem Ort, der sehr in Bewegung ist.
Redaktion: Warum braucht es neben dem Kunst Museum die Kunsthalle?
Tedder: Das Kunst Museum zeigt zwar ebenfalls zeitgenössische Kunst und hat eine nationale und internationale Ausstrahlung wie wir, konzentriert sich aber auf etablierte Künstlerinnen und Künstler. Wir hingegen zeigen oft junges Kunstschaffen erstmals in einem institutionellen Rahmen.
Es ist also eine ganz andere Aufgabe, diejenige der Förderung des Kunstnachwuchses. Im Unterschied zum Kunst Museum haben wir keine Sammlung, was uns eine grosse Freiheit gibt. Unser Verein wurde 1970 gegründet, eine junge Institution.
Redaktion: Was wird neu sein am renovierten Standort?
Tedder: Generell eine neue Frische! Es wird eine Grundsanierung mit einer Auffrischung am Gebäude, das der Stadt Winterthur gehört, durchgeführt. Es wird energietechnische Verbesserungen geben, was sich für uns als Nutzerinnen bei der Raumtemperatur bemerkbar machen wird.
Bisher war es im Sommer zu heiss und im Winter zu kalt – wir waren ganz froh, dass wir im Sommer die kühlen Büros des Kunst Museum nutzen durften. Zudem wird es einen neuen Lift geben. Im Ausstellungsbereich wird die Lichtsituation verbessert, die Neonröhren werden ersetzt.
Redaktion: Auf was darf sich das Publikum besonders freuen?
Tedder: Auf einen konzentrierten Auftritt an einem festen Ort. Auch ich freue mich, wieder zu einem konstanten Ausstellungsbetrieb zurückzukehren.
Es wird tolle Ausstellungen geben, wir werden den Fokus wieder auf die Einzel- und Gruppenausstellungen setzen, mehr möchte ich nicht verraten, ausser, dass wir voraussichtlich Ende März mit dem Programm starten werden.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Winterthurer Zeitung» erschienen.








