Immer weniger Millionäre ziehen in die Schweiz
Die Schweiz verliert an Attraktivität für Millionäre: Laut einer Hochrechnung ziehen dieses Jahr nur noch 1800 statt 3000 Vermögende ins Land.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Nettozuzug reicher Personen in die Schweiz sinkt um rund 40 Prozent.
- Italien lockt Vermögende zunehmend mit einer aggressiven Pauschalsteuer.
- In der Genferseeregion sorgen zudem mehrere Überfälle auf Villen für Unruhe.
Die Schweiz bleibt zwar ein Magnet für die Reichen dieser Welt. Doch der Zuzug lässt spürbar nach. Statt wie im vergangenen Jahr rund 3000 Millionäre dürften dieses Jahr nur noch rund 1800 in die Schweiz ziehen. Der Nettozuzug würde damit um 40 Prozent zurückgehen.
Das zeigt eine bisher unveröffentlichte Hochrechnung von New World Wealth. Das Marktforschungsunternehmen ist auf die Analyse globaler Vermögens- und Wanderungsbewegungen von Dollar-Millionären spezialisiert.
Forschungschef Andrew Amoils erklärt gegenüber «Schweiz heute»: «Die Schweiz ist aus steuerlicher Sicht nicht mehr so attraktiv wie früher.» Vermögende orientierten sich zunehmend an anderen Niedrigsteuerstandorten wie Monaco, Montenegro, Panama oder den Cayman Islands.
Die Beliebtheit der Schweiz bei Millionären geht zurück
Spannend: Vor allem aber wachse auch die Konkurrenz direkt vor der Haustür: Italien. Laut Amoils bevorzugen viele Vermögende aus Grossbritannien und Frankreich inzwischen Italien gegenüber der Schweiz.
Das Land lockt zuziehende Vermögende mit einer Pauschalbesteuerung ihrer ausländischen Einkünfte – und bietet dabei aggressivere Steuersparmodelle als Schweizer Kantone.

Zusammen mit den USA und den Vereinten Arabischen Emiraten war Italien bereits 2025 das beliebteste «Fluchtziel» für Millionäre. 2025 lag die Schweiz noch auf Platz vier, nun rutscht sie also ab.
Isoliert betrachtet hat sie zwar nicht an Attraktivität verloren: Die Steuern wurden nicht erhöht, die Erbschaftssteuer-Initiative der Juso wurde abgelehnt. Entscheidend ist aber die relative Wettbewerbsfähigkeit – und andere Standorte haben aufgeholt.
«Italien wird ein grösserer Konkurrent der Schweiz»
Auch das Beratungsunternehmen PwC Schweiz bestätigt den Trend. Lisa Cornwell, Partnerin und Leiterin des Bereichs Privatkunden und Family Offices, sagt: «Italien wird durch seine Pauschalsteuer ein grösserer Konkurrent der Schweiz.»
Unternehmer mit Wohnsitz in der Schweiz würden zudem durch die Vermögenssteuer stark belastet, besonders wenn sie dafür Dividenden aus ihrem Unternehmen entnehmen müssten. PwC erhalte deshalb vermehrt Anfragen von Unternehmern, die Italien als Alternative prüfen.

Allerdings gibt es grosse kantonale Unterschiede. Laut Cornwell bleiben die Niedrigsteuerkantone Zug, Schwyz, Luzern, Nidwalden und Obwalden nach wie vor am beliebtesten.
Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler (SVP) bestätigt: «Wir ziehen ungebrochen vermögende Personen an, zuletzt auch aus den Golfstaaten.» Dubai habe wegen des Golfkriegs an Sicherheit verloren. Italien und vor allem die Region Mailand seien aber ernsthafte Konkurrenten.








