«Immer noch schockiert»: Zoe Torinesi verliert fast ihr Erspartes
Schnell findet Zoe Torinesi eine Käuferin für ein Möbelstück, das sie auf Ricardo anbietet. Dabei geht die Food-Expertin aber einer Betrügerin auf den Leim.

Das Wichtigste in Kürze
- «Sie hätten mein ganzes Sparkonto leeren können», sagt Zoe Torinesi.
- Mit einer Masche gelangen Betrüger über Ricardo an das Passwort ihres Bankkontos.
- Die Auktionsplattform hat Massnahmen ergriffen.
Der Slogan der Auktionsplattform Ricardo klingt vertrauenswürdig. «Sicher kaufen & verkaufen mit über 5 Mio. Nutzern», lautet dieser. Auch Food-Expertin und TV-Moderatorin Zoe Torinesi ist im Sommer 2025 erstmals eine der vielen User.
«Ich wollte eine Konsole, die ich in der Corona-Zeit gekauft hatte, auf Ricardo verkaufen», sagt sie zu Nau.ch. Sie stellt das Angebot für 120 Franken auf die Auktionsplattform. Kurz danach meldet sich eine Käuferin bei Torinesi per Whatsapp – und sie schliesst den Verkauf ab.
Am nächsten Tag folgt der grosse Schock.
Aus geschäftlichen Gründen loggt sich Torinesi in ihr E-Banking ein. «Da sah ich, dass 1700 Franken von meinem Sparkonto auf mein Girokonto überwiesen wurden.»
Sofort ruft sie ihren Bankberater bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) an. Schnell erfährt sie: Da sind Betrüger am Werk. Die Bank sperrt sofort alle ihre Konten.
«Schlechtes Gewissen»
Mit dem Transfer des Geldbetrags vom Sparkonto auf das Girokonto wollten die Betrüger möglichst unauffällig Torinesis Sparkonto häppchenweise plündern. Mehr oder weniger zufällig sei ihr der Transfer gleich aufgefallen, sagt die 44-Jährige.
«Ansonsten hätten sie mein ganzes Sparkonto leeren können.» Sie habe ihr Leben lang «extrem viel gearbeitet», um sich etwas aufzubauen. «Der Gedanke daran, zack alles zu verlieren, schockiert mich immer noch.»
Im Nachhinein fällt ihr das verdächtige Vorgehen der vermeintlichen Käuferin wie Schuppen von den Augen.
«In der Whatsapp-Nachricht forderte sie mich auf, den Verkauf zu bestätigen, damit sie mir die Zahlung überweisen könne», sagt Torinesi. Sie habe ihr geantwortet, dass es nicht eile.
Sie sei am Arbeiten und habe gerade keine Zeit. «Darauf schickte sie mir einen QR-Code, den ich scannen sollte.»
Die Käuferin habe sie unter Druck gesetzt, sagt Torinesi. «Weil ich ein schlechtes Gewissen hatte, scannte ich den QR-Code rasch.» Damit war die Sache aber noch nicht erledigt.
«Ein Formular verlangte meine Bankangaben samt Passwort.» Auch dieses tippte sie ein.
«Wie konnte ich so dumm sein?»
Auch heute greift sich Torinesi noch an den Kopf.
«Wie konnte ich so dumm sein? Ich hätte doch schon hellhörig werden sollen, als ich dieses WhatsApp erhielt.» Ihre Nummer habe sie der Käuferin nämlich nicht angegeben.
Gleichzeitig habe alles täuschend echt ausgesehen. «Die WhatsApp-Nachricht war auf Schweizerdeutsch geschrieben.»
Das Formular des QR-Codes habe auch keine Rechtschreibfehler enthalten, wie es sonst für betrügerische Seiten üblich sei. «Die Betrüger haben das Formular von Ricardo perfekt nachgebaut.»
Paket kam zurück
Die Konsole, die Torinesi an die angegebene Adresse abgeschickt hatte, kam nie an. «Die Käuferadresse war auch Fake.»
Ricardo habe ihr angeboten, die Konsole zu erstatten. «Das war aber nicht mehr nötig, da das Paket ein paar Tage später wieder zurückkam.»
Nach dem Fall warnte Torinesi auch ihre Follower vor der Masche. «Viele Follower waren dankbar und sagten, dass sie nie damit gerechnet hätten», sagt sie.
Zwei User hätten berichtet, ihnen sei dasselbe passiert. «Und die Betrüger haben sogar Geld klauen können.»
Begegnet Torinesi heute QR-Codes, schrillen bei ihr die Alarmglocken. «Zuerst verifiziere ich immer die QR-Code-URL.»
Ricardo warnt mit Banner
Ricardo bestätigt die Masche auf Anfrage. «Diese Betrugsart als eine besonders perfide Art von Phishing ist Ricardo seit über einem Jahr bekannt.» Dies teilt Mojca Fuks mit, Mediensprecherin der Swiss Marketplace Group.
Seit ihnen diese Betrugsart bekannt sei, bekämpften sie diese mit vielseitigen technischen und präventiven Massnahmen, sagt Fuks. «Ricardo konnte im Frühling 2025 innerhalb weniger Monate den Betrug um 90 Prozent senken.»
Auf der Website hat Ricardo ein Banner platziert. Dieses warnt vor der Eingabe von Kreditkartendaten oder dem Einloggen mit E-Banking-Daten.
Betrüger versuchten Manipulation
Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) kennt das Problem. «Leider kommt es immer wieder vor, dass Betrüger gezielt versuchen, Bankkundinnen und Bankkunden zu manipulieren», sagt Mediensprecher Adrian Vonlanthen. Damit wollten sie deren Wachsamkeit und Sorgfalt umgehen.
«Die Zürcher Kantonalbank informiert ihre Kundschaft daher regelmässig über mögliche Betrugsmuster im Bereich des sogenannten Social Engineering.» Auch gibt die Bank laut Vonlanthen Empfehlungen zu wirksamen Vorsichtsmassnahmen sowie Verhaltensregeln ab.

Um das Bewusstsein für solche Gefahren weiter zu schärfen, stellt die Zürcher Kantonalbank auf ihrer Webseite Sicherheitstipps zur Verfügung. Auch informiert sie über Betrugsmaschen.
Die Mitarbeitenden werden laut dem Mediensprecher regelmässig in Bezug auf potenzielle Betrugsmaschen geschult und gezielt sensibilisiert. «Um unsere Kundinnen und Kunden bei der Erkennung und Vermeidung solcher Risiken zu unterstützen.»
Je nach Situation zieht die ZKB bei Bedarf spezialisierte Fachabteilungen hinzu. «Zudem informieren wir umfassend über die Schritte, die bei einer Beanstandung einer Transaktion eingeleitet werden können.» Als Beispiel nennt Vonlanthen Zahlungsrückforderungen.














