Gescheitert! Wirbel um neue Buslinie in Winterthurer Agglo
Warum die geplante neue Buslinie 672 zwischen Seuzach, Ohringen und Winterthur so kurzfristig scheiterte.

Am Anfang waren sich alle einig: Seuzach soll eine neue Buslinie erhalten, die zwischen Seuzach, Ohringen und Winterthur verkehrt. «Wir hätten das neue Angebot im kommenden Dezember gern umgesetzt», heisst es bei der Postauto AG auf Anfrage der Winterthurer Zeitung. Doch es kam anders.
Nur wenige Monate vor der Einführung machte Postauto die Kehrtwende und kam zum Schluss, dass das von ihr entwickelte Konzept nicht umgesetzt werden könne. Der Verkehrsrat des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) lehnte die Umsetzung daraufhin definitiv ab. In Seuzach ist die Enttäuschung gross.
«Aus Sicht der Gemeinde ist nicht nachvollziehbar, dass die Postauto AG erst wenige Monate vor der geplanten Einführung zum Schluss kommt, das von ihr selbst entwickelte Angebotskonzept könne nicht umgesetzt werden», teilt die Gemeinde Seuzach mit.
Ist dritte Haltekante nötig?
Bei der Postauto AG kann man den Frust nachvollziehen. Das Verkehrsunternehmen schiebt den Schwarzen Peter aber an die Gemeinde zurück.

«Der Fahrplanvorschlag setzte drei Haltekanten am Bahnhof Seuzach voraus: Eine Kante für die Stadtbuslinie 674, eine zweite für die Postautolinie 612 Seuzach–Andelfingen und eine dritte Kante für die neue Linie 672», schreibt die Postauto AG auf Anfrage.
Diese Darstellung weist der Seuzacher Gemeindepräsident Manfred Leu zurück: «Das ist schlicht falsch.» Eine andere Lösung ohne dritte Haltekante sei möglich gewesen.
Optionen geprüft
Doch dazu muss man erst wissen, wie das Postauto-Konzept zur Fahrplanoptimierung in Seuzach aussah. Vorgesehen war, die gut ausgelastete, aber verspätungsanfällige Linie 676 (Winterthur – Ohringen – Hettlingen – Dägerlen – Henggart) von Grund auf zu erneuern.
Neu wären auf diesem Korridor ab Winterthur vier Fahrten pro Stunde angeboten worden. Zwei davon wären neu jeweils ab Ohringen weiter als 672 nach Seuzach Bahnhof gefahren.
Die anderen beiden wären auf dem bisherigen Weg bis Hettlingen geführt worden. Damit hätte Seuzach die lang ersehnte Direktverknüpfung des Ortszentrums mit Ohringen erhalten.
Dägerlen hätte mit Ausnahme von einzelnen morgendlichen und abendlichen Direktkursen die bisherigen Verbindungen der Linie 676 verloren und wäre durch die neue Linie mit den Bahnhöfen Hettlingen und Henggart verknüpft worden.
«Allen Beteiligten war klar, dass für eine erfolgreiche Umsetzung dieses neuen Gesamtkonzepts eine Lösung gefunden werden musste, mit der die Fahrzeuge der neuen Linie 672 am Bahnhof Seuzach in der vorgegebenen Taktlage wenden können», heisst es bei Postauto. Laut dem Verkehrsunternehmen Postauto setzte dieses Konzept eine dritte Haltekante am Bahnhof voraus.
Keine Mehrheit
Das Konzept mit der dritten Haltekante beurteilt die Gemeinde als nicht sinnvoll. Dies, weil drei Busse kurz nacheinander abfahren. «Ein alternierender Abfahrtsplan sei zielführender», heisst es bei der Gemeinde. Seuzach forderte eine Überprüfung des Konzepts.
Das tat Postauto auch. Geprüft wurde eine Taktverschiebung der stündlich fahrenden Linie 612 (Seuzach-Andelfingen). Diese Lösung stiess jedoch bei einigen Gemeinden entlang der Linie 612 auf Widerstand.
«An der regionalen Verkehrskonferenz vom Mai 2026 wurde angesichts der vielen eingegangenen Fahrplanbegehren und der ablehnenden Voten aus den übrigen Gemeinden entlang der Linie 612 deutlich, dass der Ansatz nicht mehrheitsfähig sein würde. Unter diesen Umständen war nicht zu vertreten, dem Verkehrsrat des Kantons Zürich einen Ausbau zu beantragen, der von einer Mehrheit der Gemeinden als Verschlechterung beurteilt wurde», sagt Postauto AG.
Nachteile für Dägerlen
Eine weitere Option, die geprüft wurde, war ein Abtausch der miteinander verknüpften Linien 672 und 676. «Wie sich zeigte, hätte dies aber inakzeptable Nachteile für die Gemeinde Dägerlen bedeutet.

Dägerlen hätte dadurch tagsüber nicht nur die Direktverbindungen nach Winterthur, sondern auch die Bus-Umsteigeverbindung in die Innenstadt verloren», sagt Postauto AG.
Seuzach hält an Buslinie fest
Auch die Gemeinde Seuzach habe bis zuletzt versucht, eine Lösung zu ermöglichen. «Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt», so Manfred Leu. Trotz des Abbruchs hält die Gemeinde weiter an der Linie 672 fest.
«Sie ist ein grosses Bedürfnis für das lokale Gewerbe und die Bevölkerung», so Leu. Eine von der Gemeinde vorgeschlagene Übergangslösung hätte vorgesehen, das neue Angebot während zweier Jahre zu erproben und anschliessend anhand der tatsächlichen Nachfrage zu beurteilen.
Auch diese Lösung kam nicht zustande. Die Gespräche mit Postauto laufen weiter. «Ich glaube, dass eine Lösung möglich ist, die auch für Dägerlen keine Nachteile mit sich bringt.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.








