Gerüchte um möglichen Wegzug der UBS aus der Schweiz werden lauter
Die Gerüchte um einen möglichen Wegzug der UBS aus der Schweiz bei einer Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften häufen sich im Vorfeld der nächsten Runde im Parlament. So berichtet am Donnerstag das «Wall Street Journal», dass die Schweizer Grossbank bereits entsprechende Szenarien erarbeitet hat.

Mit ihren «Notfallplänen» zur Sitzverlagerung könnte die UBS auf deutlich schärfere Eigenmittelvorgaben im Rahmen der Regulierung der «Too-big-to-fail»-Banken reagieren, schrieb das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Insider. Die UBS habe zudem bereits Anfragen potenzieller US-Geschäftspartner zu möglichen Transaktionen erhalten.
Zu den konkreten Optionen der Grossbank gehören laut dem WSJ-Bericht etwa, dass die UBS ein US-Finanzinstitut übernehmen und anschliessend den Sitz verlegen würde. Auch der Zusammenschluss mit einem europäischen Konkurrenten stehe in der Debatte. Erwogen werde aber auch ein Verkauf der UBS an eine US-amerikanische Bank.
In der Schweiz wird ein Wegzug der internationalen Grossbank derweil von Politikern und Bankexperten dagegen weiterhin für schwierig durchführbar erachtet. Grundsätzlich wäre ein solcher Schritt sicherlich denkbar, er wäre aber «rechtlich und operativ sehr anspruchsvoll», sagt Simon Amrein, Professor für Banken und Bankengeschichte an der Hochschule Luzern, gegenüber der AWP.
Dass der UBS-Verwaltungsrat solche Szenarien ernsthaft prüfe, halte er für sehr wahrscheinlich, sagt Amrein. Strategische Alternativen zu beurteilen, gehöre zur Unternehmensführung. «Zu bedenken gibt es aber, dass es als systemrelevante Schweizer Bank neben den Aktionären mit den Steuerzahlenden eine weitere relevante Anspruchsgruppe gibt.»
Der Standort Schweiz biete zudem «politische und wirtschaftliche Stabilität, Rechtssicherheit, eine gute Finanzmarktinfrastruktur und qualifizierte Mitarbeitende», betont Amrein. Die UBS müsste auch mit dem potenziellen Verlust von Kunden rechnen. «Entscheidend wäre, ob die regulatorischen Vorteile den potenziellen Verlust von Kundenbeziehungen aufwiegen würde. Ich bin diesbezüglich skeptisch.»
Auch Finanzministerin Karin Keller-Sutter hatte sich zuletzt mehrfach ähnlich geäussert. Einen Wegzug der UBS erachte sie als «wenig plausibel», sagte sie etwa Ende September in einem Interview. Auch sie verwies auf das Geschäftsmodell der Grossbank, das auf der «Swissness», der hiesigen Rechtsstaatlichkeit und politischen Stabilität beruhe.
Der Bericht des «Wall Street Journal» folgt auf entsprechende Artikel in den internationalen Wirtschaftsmedien in den vergangenen Wochen. So hatte zuletzt auch die renommierte «Financial Times» den möglichen Auszug der UBS aus der Schweiz thematisiert. Die Nachrichtenagentur «Bloomberg» brachte Anfang Oktober in einem Meinungsartikel eine mögliche Aufspaltung der UBS in einen inländischen und einen internationalen Teil aufs Tapet.
Davor hatten sich bereits die UBS-Aktionäre Cevian und Artisan für einen Wegzug der Schweiz stark gemacht. Die geplanten Eigenmittelverschärfungen würden den Börsenwert der Grossbank massiv vermindern, machte etwa Artisan geltend.
Die Medienberichte kommen zudem im Vorfeld der im Dezember anstehenden Debatte im Nationalrat zu den UBS-Eigenmittelregeln. Die Debatte im September im Ständerat war aus UBS-Sicht ungünstig verlaufen: Ein von der UBS-Führung favorisierter «Kompromissvorschlag», der den Ersatz von hartem Eigenkapital durch zusätzliches Eigenkapital (AT1) vorsah, war dabei durchgefallen.
Die UBS selbst gibt sich am Donnerstag zum neuen Bericht des «Wall Street Journal» verschlossen. «Wir kommentieren keine Spekulationen oder Meinungsäusserungen zu solchen Themen», sagte ein Sprecher der Grossbank am Donnerstag lediglich.
In offiziellen Äusserungen hatten sowohl UBS-CEO Sergio Ermotti wie auch VR-Präsident Colm Kelleher immer wieder betont, in der Schweiz bleiben zu wollen. Gleichzeitig wurde die Wegzugsdrohung nie ganz vom Tisch genommen: So erklärte Kelleher vergangenen Monat auch, dass man über den Verbleib in der Schweiz «nachdenken müsse», sollte die UBS in eine Lage geraten, in der sie «nicht mehr wettbewerbsfähig» sei.










