Flughafen Altenrhein: Mehr Flüge sorgen für rote Köpfe
Die Ankündigung der People’s Air Group, die Flugfrequenz nach Wien ab dem Frühjahr zu erhöhen, stösst bei der «Aktion gegen Fluglärm» (AgF) auf scharfe Kritik.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Anzahl an Flügen vom Ostschweizer Flughafen St. Gallen-Altenrhein nach Wien soll sich ab dem Frühjahr erhöhen.
- Bei der «Aktion gegen Fluglärm» (AgF) sorgt dies für grossen Unmut.
- Der CEO der People’s Air Group betont, dass trotz höherer Frequenz der Lärm und der CO₂-Ausstoss reduziert würden.
Zwar begrüsst die «Aktion gegen Fluglärm» (AgF) den angekündigten Wechsel auf die kleinere und emissionsärmere Dornier 328 als Schritt in die richtige Richtung, um Lärm und CO₂-Ausstoss pro Flugzeug zu reduzieren. «Gleichzeitig verurteilen wir jedoch den geplanten Ausbau des Flugangebots nach Wien aufs Schärfste», so die AgF.
Ab März 2027 seien an Werktagen drei statt zwei Rotationen und sonntags eine Verdoppelung auf zwei Verbindungen geplant. «Das ist ein blanker Hohn», erklärt Cécile Metzler, Präsidentin der AgF.
«Ein solcher Ausbau in Zeiten der massiven Klimaerwärmung, in denen wir jeden Tag die Folgen des globalen CO₂-Ausstosses spüren, führt jeden Klimaschutz ad absurdum.» Bei der People's Airline spricht man aber keinesfalls von einem Ausbau.
«Durch den Flugzeugwechsel werden ab Ende März 2027 die geplanten, werktäglich angebotenen Sitzplatzkapazitäten von derzeit 152 auf 96 reduziert. Somit ist es kein Ausbau, sondern ein Abbau. Durch den Aufbau der Flugfrequenzen erwarten wir jährlich dieselbe Menge an Fluggästen wie bisher, aufgeteilt auf mehr Flüge», sagt Thomas Krutzler, CEO der People's Airline gegenüber den Bodensee Nachrichten.

Insbesondere der Geschäftsreisemarkt – worum es sich primär auf der Linienverbindung von/nach Wien handelt – verlange eine erhöhte Frequenzanbindung. «Dieser Nachfrage kommen wir nach», so Krutzler.
Forderung: Strategie überdenken
Besonders unverständlich sei für die AgF der Ausbau aber auch vor dem Hintergrund der aktuellen Marktrealität. Dass die Airline auf ein kleineres Flugzeug mit nur noch 32 Sitzplätzen umsteigt, ist ein Eingeständnis der sinkenden Nachfrage: «Die Passagierzahlen haben sich seit Corona halbiert, wie die People’s Air Group selber sagt.»
Statt daraus Konsequenzen zu ziehen und den Flugbetrieb entsprechend zu verkleinern, ergreife sie nun die Flucht nach vorn. Wenn diese Flugzeuge künftig sechsmal statt viermal täglich die Bodensee-Region überfliegen, belastet das Anwohnende und Natur noch stärker als bisher.
«Das ist ein Affront gegenüber den Menschen, die hier wohnen», sagt Metzler. Der Schutzverband AgF fordert die People’s Air Group auf, diese «ökologisch und ökonomisch fragwürdige Strategie» zu überdenken und die Zahl der Flugbewegungen konsequent zu begrenzen – mindestens auf dem heutigen Niveau.
«Fakt ist: es gibt weniger Lärm»
Auf die Kritik der «Aktion gegen Fluglärm», dass durch die zusätzlichen Rotationen die Lärmbelastung für die Bevölkerung und die Natur in der Region zunehmen wird, erwidert der CEO der People's Airline: «Fakt ist, dass wir künftig trotz erhöhten Frequenzen weniger Lärmemissionen und weniger CO₂-Ausstoss ausweisen werden.»
Auch auf die Kritik der AgF dass die erhöhte Frequenz angesichts der Klimakrise als widersprüchlich wahrgenommen werde. Wie beurteilt Krutzler den ökologischen Einwand, dass eine kleinere und emissionsärmere Maschine zwar den Ausstoss pro Flug reduziert, die zusätzlichen Flugbewegungen diesen Vorteil aber teilweise wieder zunichtemachen könnten?
«Dieser Vorteil wird nicht zunichtegemacht. Wie schon erwähnt, wird es weniger CO₂-Ausstoss geben. Und noch eine Randbemerkung: Im kommenden Sommerflugplan werden im Bereich der Linien- und Charterflüge – mit einer wöchentlichen Ausnahme – ausschliesslich Turboprop-Maschinen eingesetzt», sagt Krutzler.

Dabei handelt es sich um Propellerflugzeuge – diese nutzen Jet-Turbinen als Antrieb und sind auf kurzen Distanzen deutlich emissionsärmer und kosteneffizienter.
Gültige Rechtsgrundlagen
Die AgF fordert von der People's Airline, dass die Zahl der Flugbewegungen mindestens auf dem heutigen Niveau zu begrenzen ist. Kann die Airline diese Forderung nachvollziehen und kommt ein Verzicht auf die geplante Erhöhung der Flugfrequenz überhaupt infrage?
«Wir richten uns bei der Zahl der Flugbewegungen einerseits an die gültigen Rechtsgrundlagen von BAZL (Anzahl Flugbewegungen pro Jahr, Total). Andererseits sind wir ein Unternehmen, welches nach ökonomischen, aber auch ökologischen Aspekten und Kriterien wirkt. Beiden Aspekten kommen wir auch künftig nach», betont Krutzler.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Bodensee Nachrichten» erschienen.












