Feuerwehr

Feuerwehr-Kommandant: Üben Risiko-Einsätze mit VR

Adrian Oberer
Adrian Oberer

Suhr,

Dominik Graber, Kommandant der Feuerwehr Entfelden-Muhen, spricht im Interview über die Bevölkerungsübung vom 20. Juni.

Dominik Graber, Kommandant der Feuerwehr Entfelden-Muhen.
Dominik Graber, Kommandant der Feuerwehr Entfelden-Muhen. - zVg

Am 20. Juni lädt die Feuerwehr Entfelden-Muhen zur Bevölkerungsübung nach Unterentfelden ein. Kommandant Dominik Graber erklärt im Interview, was die Besuchenden vor Ort erwartet.

Redaktion: Was erwartet die Bevölkerung an der Bevölkerungsübung?

Dominik Graber: Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein abwechslungsreicher Nachmittag mit 15 Mitmachposten, spannenden Einblicken in die Feuerwehrarbeit sowie Spiel und Spass für die ganze Familie.

Die Bevölkerung kann verschiedene Tätigkeiten der Feuerwehr selbst ausprobieren, Fahrzeuge und Geräte kennenlernen und sich mit Feuerwehrangehörigen austauschen. Für Kinder gibt es zusätzliche Attraktionen wie ein Bobbycar-Rennen und verschiedene Wettbewerbe.

Die Festwirtschaft sorgt zudem für das leibliche Wohl.

Entfelden-Muhen
Die Feuerwehren von Entfelden-Muhen und Aarau bei einem Einsatz. (Archivbild) - Kantonspolizei Aargau

Redaktion: Welches Ziel verfolgt die Feuerwehr mit diesem Anlass?

Graber: Die Bevölkerungsübung soll der Bevölkerung zeigen, welche Aufgaben die Feuerwehr erfüllt und wie vielfältig die Ausbildung und die Einsatzmöglichkeiten sind. Gleichzeitig möchten wir Verständnis für unsere Arbeit schaffen, Vertrauen stärken und den Kontakt zwischen Feuerwehr und Bevölkerung fördern.

Ein weiteres Ziel ist es, interessierten Personen einen Einblick in die Feuerwehr zu geben und vielleicht sogar neue Mitglieder für das Feuerwehrwesen zu gewinnen.

Redaktion: Welche Einsatzszenarien werden gezeigt?

Graber: Wir zeigen verschiedene Bereiche der Feuerwehrarbeit, darunter Brandbekämpfung mit Kleinlöschgeräten, Personenrettung über Leitern, Atemschutz, Lüftereinsätze, Sanität mit AED und Reanimation, Verkehrsaufgaben sowie den Umgang mit Naturgefahren und Photovoltaikanlagen.

Aus Sicherheitsgründen werden die Szenarien vereinfacht dargestellt, vermitteln aber einen authentischen Eindruck der Feuerwehrarbeit. Im Gegensatz zu den letzten Jahren werden wir keine Einsatzübung durchführen. Das Mitmachen der Besucher mit uns zusammen steht im Vordergrund.

Redaktion: Wie lange wurde die Übung vorbereitet?

Graber: Die Vorbereitungen laufen bereits seit mehreren Monaten. Die grösste Herausforderung besteht darin, zahlreiche attraktive Posten zu entwickeln, die sowohl spannend als auch sicher sind und gleichzeitig einen echten Mehrwert für die Besucher bieten.

Zudem müssen Material, Personal, Infrastruktur und Standorte koordiniert werden. Ich bedanke mich an dieser Stelle beim ganzen Führungsteam unserer Feuerwehr. Unter der Leitung von Nadine Rölli, Stellvertreterin des Chefs der Pikett-Abteilung, wurden bereits viele Stunden in die Vorbereitungen investiert.

Redaktion: Welche Fähigkeiten und Abläufe stehen im Zentrum?

Graber: Im Zentrum der Bevölkerungsübung stehen die wichtigsten Fähigkeiten und Abläufe, die für einen erfolgreichen Feuerwehreinsatz entscheidend sind.

Die Besucherinnen und Besucher erhalten einen Einblick, wie Teamarbeit, klare Kommunikation und die koordinierte Zusammenarbeit der verschiedenen Einsatzkräfte funktionieren. Gleichzeitig wird gezeigt, wie Feuerwehrangehörige mit den unterschiedlichen Geräten und Hilfsmitteln sicher und effizient arbeiten.

An den verschiedenen Posten können die Gäste erleben, wie Brände bekämpft, Personen gerettet, Erste Hilfe geleistet oder Einsatzstellen abgesichert werden.

Ziel ist es, auf verständliche und praxisnahe Weise zu vermitteln, dass jeder Einsatz nach klaren Abläufen erfolgt und nur durch das Zusammenspiel von Ausbildung, Technik und Teamarbeit erfolgreich bewältigt werden kann.

Feuerwehr
Gewisse Grossereignisse oder besonders gefährliche Einsatzsituationen lassen sich weder vollständig realitätsnah noch sicher darstellen. (Symbolbild) - keystone

Redaktion: Wie viele Angehörige der Feuerwehr sind beteiligt?

Graber: An der Bevölkerungsübung sind Angehörige aus sämtlichen Abteilungen der Feuerwehr beteiligt. Zum Einsatz kommen unter anderem Feuerwehrfahrzeuge, die Gruppe Hubrettungsfahrzeug (HRF), Motorspritzen, Lüfter, Wärmebildkameras, Feuerlöscher, Pressluftatmer, Leitern sowie Sanitätsmaterial mit AED-Trainingsgeräten und weitere Spezialausrüstungen.

Die Besucherinnen und Besucher erhalten dadurch einen umfassenden Einblick in die vielfältigen Aufgaben und die moderne Ausrüstung der Feuerwehr. Wir werden mit ca. 80 Angehörigen der Feuerwehr vor Ort sein, was etwa zwei Drittel entspricht.

Selbstverständlich bleibt die Einsatzbereitschaft jederzeit gewährleistet: Sollte während der Veranstaltung ein Ernstfall eintreten, rückt die Feuerwehr unverzüglich aus. Denn der Schutz der Bevölkerung und die Bewältigung von Einsätzen haben für uns jederzeit oberste Priorität.

Redaktion: Was geschieht im Hintergrund?

Graber: Hinter den Kulissen laufen zahlreiche organisatorische Abläufe. Material muss bereitgestellt und kontrolliert werden, Sicherheitsvorkehrungen werden getroffen, die einzelnen Posten koordiniert und die Besucherströme gelenkt.

Viele Feuerwehrangehörige sorgen dafür, dass alle Übungen sicher durchgeführt werden können.

Redaktion: Gibt es Situationen, die sich kaum realistisch üben lassen?

Graber: Ja. Gewisse Grossereignisse oder besonders gefährliche Einsatzsituationen lassen sich im Rahmen einer öffentlichen Bevölkerungsübung weder vollständig realitätsnah noch sicher darstellen.

Dazu gehören beispielsweise grosse Chemieunfälle, Explosionen oder Ereignisse mit gefährlichen Stoffen, bei denen spezielle Schutzmassnahmen und umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen erforderlich sind.

Deshalb setzt die Feuerwehr neben praktischen Übungen auch auf spezialisierte Szenarientrainings und moderne Ausbildungsmethoden. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von Virtual-Reality-(VR)-Technologie.

Mithilfe von VR können komplexe und risikoreiche Einsatzlagen realitätsnah simuliert werden, ohne Personen oder Material zu gefährden. Die Einsatzkräfte können dabei verschiedene Szenarien durchspielen, Entscheidungen treffen und ihre Abläufe unter möglichst realistischen Bedingungen trainieren.

Solche Szenariodarstellungen ergänzen die praktische Ausbildung und ermöglichen es, auch aussergewöhnliche Ereignisse regelmässig zu üben. Dadurch sind die Feuerwehrangehörigen im Ernstfall besser vorbereitet und können sicherer sowie effizienter handeln.

Bist du in der Feuerwehr?

Redaktion: Wie steht die Feuerwehr personell da?

Graber: Die Feuerwehr ist auf engagierte Freiwillige aus der Bevölkerung angewiesen. Solche Anlässe bieten eine gute Gelegenheit, die Feuerwehr kennenzulernen und mit unseren Angehörigen ins Gespräch zu kommen. Dieses Jahr findet am 11. November unser alljährlicher Infoabend statt.

Da dürfen Interessierte unverbindlich vorbeikommen und sich über die Tätigkeiten und verschiedenen Abteilungen informieren. Wir versuchen zudem das ganze Jahr in unserem Einsatzgebiet auch mit unseren Übungen präsent zu sein.

Die Übungen sollen realitätsnah und interessant gestaltet sein. Materialien und Gerätschaften müssen dem neuesten Stand entsprechen. Die dazu notwendigen Mittel werden uns durch unsere Verbandsgemeinden zur Verfügung gestellt.

Dies schätzen wir ausserordentlich. Darum können wir sagen: Wir stehen personell sehr gut da.

Redaktion: Warum lohnt sich ein Besuch?

Graber: Weil die Besucher die Feuerwehr nicht nur beobachten, sondern selbst erleben können. Viele Posten laden zum Mitmachen ein, man lernt wichtige Fähigkeiten für den Alltag kennen und erhält spannende Einblicke in die Arbeit der Feuerwehr.

Die Veranstaltung ist familienfreundlich und bietet Unterhaltung für Jung und Alt.

Redaktion: Sie haben das letzte Wort.

Graber: Die ganze Feuerwehr Entfelden-Muhen, die Sanität Entfelden-Muhen sowie die «Alte Garde» der Feuerwehr Entfelden-Muhen freuen sich darauf, die Bevölkerung am 20. Juni 2026 auf dem Schulhausareal Unterentfelden begrüssen zu dürfen.

Nutzen Sie die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der Feuerwehr zu werfen, Fragen zu stellen und selbst aktiv zu werden. Kommen Sie vorbei, staunen Sie und machen Sie mit.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.

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