Cafés, Bars und Restaurants wissen kaum mehr, wie sie ihre Energiekosten decken können. Damit könnten erneut Beizen verschwinden, befürchten Gastronomen.
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Die Restaurants leiden unter der Energiekrise. (Archivbild) - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Inflation, tiefe Kaufkraft, hohe Energiepreise: Das Gastgewerbe erwartet eine neue Krise.
  • Ein erneutes Beizensterben wird nicht ausgeschlossen.
  • Zwischenzeitlich setzen viele Beizerinnen und Beizer Sparmassnahmen um.

«Strom- und Erdgaskosten werden sich in unserem Betrieb um die 60 Prozent erhöhen. Das sind über 1500 Franken pro Monat», sagt Irene Baumann zu Nau.ch. Sie ist Inhaberin des Restaurants und Hotels «Rössli» in Flawil SG.

Baumann und viele andere trifft die Energie-Krise hart. Mauro Lustenberger, Vorstandsmitglied von Gastro Schwyz und Besitzer des Restaurants Gotthard in Goldau SZ, schildert Ähnliches.

Lustenberger habe am Dienstag erst von seinem Elektrizitätsanbieter eine Vorprognose erhalten. «2023 werden 65 Prozent Mehrkosten auf unseren Betrieb zukommen», sagt der Gastronom.

Beizen müssen Preise wegen Stromkosten erhöhen

Das Schwyzer Restaurant werde dadurch seine Preise erhöhen müssen, sagt Lustenberger. Folglich würden wohl einige Kunden nicht mehr essen kommen. Immerhin: Angst, diese Folgen nicht stemmen zu können, hat er nicht.

Für andere dürfte die Situation jedoch kritischer werden. Lustenberger glaubt, es werde «sicherlich wieder ein kleines Beizensterben geben, aber nicht extrem». Einige Wirte würden, «so wie bei Corona», vielleicht einfach den Betrieb früher schliessen oder weitergeben.

Heizung
Die Energiepreise in der Schweiz steigen und steigen. (Symbolbild)
Lustenberger
Mauro und Sonja Lustenberger führen das «Gotthard» in Goldau SZ in zweiter Generation. Auch sie spüren die hohen Kosten.
lockerung
Schon unter der Pandemie litten viele Beizen. (Archivbild)
Beizen
Nun könnte es erneut ein «kleines Beizensterben» geben. (Symbolbild)

Auch die St. Gallerin Baumann kann sich vorstellen, dass viele Wirte sich «das nicht mehr antun möchten oder können». Nach Corona hätten viele Hoffnung auf eine Stabilität in der Branche gehegt. «Und nun kommt der nächste Hammer!»

Gastrosuisse fordert Preisdeckel

Der Branchenverband Gastrosuisse zeichnet auf Anfrage ebenfalls ein düsteres Bild. «Knapp 64 Prozent der Betriebe machen sich Sorgen», heisst es. Der Verband fordert unter anderem einen Preisdeckel und den Ausbau der Stromproduktion. In der Zwischenzeit aber gibt er Spartipps – ganze 90 an der Zahl.

Diese setzen die Gastronomen um, so auch Lustenberger und Baumann. So werden im «Rössli» Flawil die Geräte beispielsweise kurz vor Gebrauch hochgefahren und die Lichter in nicht benutzten Räumen ausgeschaltet. Die Innentemperatur wird gesenkt und die Aussenbeleuchtung ist weniger lange an.

Sparen Sie auch schon Strom?

Das Restaurant Gotthard in Goldau SZ setzt all das ebenfalls um – und ersetzt zusätzlich alle nicht-LED-Lichtquellen. «Eine weitere Massnahmen könnte sein, dass wir unsere Öffnungszeiten anpassen», fügt Irene Baumann hinzu.

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