Baustelle in der Ostschweiz – «gab beleidigende Rückmeldungen»
Verkehrsteilnehmende mussten in Buriet SG sehr lange viel Geduld beweisen. Nun wird die Bahnunterführung später als geplant bald fertiggestellt.

Eigentlich hätten die Arbeiten für die Bahnunterführung in Buriet SG Ende 2025 abgeschlossen sein müssen. Unternehmen sowie Pendlerinnen und Pendler mussten fast einn Jahr lange Umwege und ein Verkehrschaos in der unmittelbaren Umgebung in Kauf nehmen.
Technische Ausführungsprobleme auf der SBB-Baustelle führten zu einer unbestimmten Verzögerung. Die Unterführung musste deshalb länger gesperrt bleiben als geplant.
Später wurden bei der neuen Brückenplatte visuelle Auffälligkeiten festgestellt. Deshalb mussten Betonproben im Labor untersucht werden. Diese zusätzlichen Abklärungen verzögerten die Arbeiten weiter.
Nun endlich liegt ein Enddatum auf dem Tisch: Mitte Juli sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Projektleiter Roger Häberli vom Tiefbauamt des Kantons St. Gallen ist froh, dass der Abschluss bevorsteht.
Redaktion: Nach einer langen und intensiven Bauphase: Was bedeutet der bevorstehende Abschluss der Arbeiten für die Region?
Roger Häberli: Wir freuen uns gemeinsam mit der Gemeinde Thal, dass mit dem Abschluss des Projekts ein Mehrwert für sämtliche Verkehrsteilnehmende realisiert werden konnte.
Die neue Verkehrsführung bringt allen Verkehrsteilnehmenden sowie den umliegenden Gewerbebetrieben mehr Verkehrssicherheit und weniger Stau.
Redaktion: Welche der ursprünglich gesetzten Projektziele konnten erreicht werden – insbesondere bezüglich Verkehrssicherheit und Durchfahrtshöhe der Unterführung?
Häberli: Es konnten alle Projektziele umgesetzt werden. Dank der Absenkung kann die Unterführung künftig auch von Ausnahmetransporten passiert werden. Sie müssen nicht mehr den Umweg durch die Gebiete Buechen, Tobler und Schueler fahren.
Die optimierte Strassenführung verbessern die Erreichbarkeit der Region und ein separater Veloweg machen die Strecke attraktiver für Velofahrende und Zufussgehende. Moderne Entwässerungssysteme schützen die umliegenden Gewässer. Die Bushaltestellen sind nun barrierefrei.

Redaktion: Welche Verbesserungen werden Fussgängerinnen, Velofahrer und der öffentliche Verkehr nach Abschluss der Arbeiten spüren?
Häberli: Für ÖV-Nutzende wurde eine neue barrierefreie Busbucht erstellt. Für Fussgängerinnen und Fussgänger und Velofahrende wurde eine sicherere Querung der Strasse gebaut und der Geh- und Radweg auf 3,5 Meter aufgeweitet.
Zusätzlich wurde die Verkehrssicherheit für Velofahrerinnen und Velofahrer beim Einlenker Aegetli erhöht. Autos und Lastwagen profitieren von einer verbreiterten und erhöhten SBB-Unterführung.
Redaktion: Die Baustelle hat über Monate hinweg für Staus und Umleitungen gesorgt. Wie fällt Ihr Fazit zum Verkehrsmanagement während der Bauzeit aus?
Häberli: Während der einspurigen Verkehrsführung wurde das oberste Ziel, einen Rückstau auf die Autobahn zu vermeiden, erreicht.
Während der Vollsperrung war die grösste Herausforderung, den Ausweichverkehr zu unterbinden. Dank der Unterstützung von zusätzlichen Verkehrskadetten und Polizeikontrollen konnte der Ausweichverkehr in Grenzen gehalten werden.
Zudem hat sich die aktive Information der Bevölkerung mittels Flyer und Newsletter über die Verkehrsumstellungen als wertvoll erwiesen.
Redaktion: Wie haben die Anwohnerinnen und Anwohner sowie die lokalen Unternehmen auf die Einschränkungen reagiert?
Häberli: Anwohnende mussten Umwege und zeitlichen Mehraufwand in Kauf nehmen. Das ist unangenehm und kann mühsam sein. Aber in diesem Fall war es unumgänglich.
Gleichwohl wurde uns und vor allem der zuständigen Bauunternehmung Verständnis und Wohlwollen entgegengebracht. Wir konnten uns auf die Bauausführung konzentrieren, dafür bedanken wir uns herzlich beim Gewerbe und den Anwohnern.
Wir versuchten durch den Newsletter auf der aufgeschalteten Homepage die Anwohnerinnen und Anwohner stets aktuell zu informieren. Leider gab es trotzdem einzelne negative, ja beleidigende Rückmeldungen gegenüber der Baufirma und den Bauherren. Das hat mich am meisten beschäftigt.
Redaktion: Was haben Sie aus diesem Grossprojekt gelernt, das bei künftigen Infrastrukturprojekten hilfreich sein könnte?
Häberli: Eine gute Öffentlichkeitsarbeit und eine fundierte Kenntnis der Verkehrssituation sowie ein ausgereiftes Bauprojekt sind die Grundpfeiler für ein erfolgreiches Projekt wie dieses.
Redaktion: Viele Pendlerinnen und Pendler empfanden die Verkehrsführung während der Bauzeit als mühsam. Würden Sie rückblickend etwas anders machen, um die Belastung für die Bevölkerung zu reduzieren?
Häberli: An einem so neuralgischen Ort wie Buriet ist es schwierig, dass es nicht zu nachteiligen Belastungen kommt. Gemeinsam mit der Gemeinde und der Kantonspolizei haben wir versucht, die bestmögliche Lösung für Anwohnende, Gewerbe und Verkehrsteilnehmende umzusetzen.
Wir werden im Nachgang zum Bauabschluss gemeinsam zurückblicken, ein Fazit ziehen, damit wir uns bei künftigen Baustellen weiter verbessern können.
Redaktion: Das Projekt wurde mehrfach als grosse Herausforderung für die Region bezeichnet. Gab es Momente, in denen Zeitplan oder Kosten aus dem Ruder zu laufen drohten?
Häberli: Aufgrund technischer Ausführungsprobleme bei der Baustelle der SBB kam es zu einem unerwarteten Unterbruch der Bauarbeiten von vier Wochen. Dieser Unterbruch war eine Herausforderung.
Der Abschluss der Arbeiten verzögerte sich um zwei Monate, weil die witterungsempfindlichen Arbeiten erst im März 2026 wieder aufgenommen werden konnten. Auf die Kosten hatte diese Verzögerung jedoch keine Auswirkungen.
Verzögerungen, beispielsweise aufgrund der Witterung, sind bei solchen Projekten leider immer möglich.
Redaktion: Die langen Einschränkungen wurden immer wieder kritisiert. Fühlen sich diese Betroffenen aus Ihrer Sicht genügend ernst genommen?
Häberli: Wir haben die Betroffenen jederzeit ernst genommen. Wir haben früh informiert und den Baufortschritt auf der Homepage stets aktuell gehalten. Wenn möglich, sind wir auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingegangen.
Ein Bauvorhaben dieser Art und an dieser Lage bringt allerdings immer Emissionen und Einschränkungen mit sich. Das lässt sich nicht verhindern.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Bodensee Nachrichten» erschienen.








