Am letzten Tag fliessen am Fleischstand Tränen
Fünf Jahrzehnte prägten die Fiechters mit ihrem Stand die Märkte in Zürich. Nun treten engagierte Geschwister in ihre Fussstapfen.

An den Märkten auf dem Helvetiaplatz und in Oerlikon war der Geflügel- und Fleischstand der drei Schwestern Hanna Trasmundi-Fiechter, Lisa Ariano-Fiechter und Mirjam Bascin-Fiechter während fünf Jahrzehnten eine Institution.
Doch Anfang Jahr haben sie sich entschlossen, ihren Stand in kompetente, jüngere Hände zu legen und sich ganz zurückzuziehen. Das Zepter übernommen haben Florentina und Gojart Hykosmoni aus Winterthur.
Ein Blick zurück
Ins Geschäft eingeführt wurden die drei Geschwister vor 50 Jahren unter der Ägide ihres Vaters. Wie damals üblich, durfte keines der drei Mädchen eine Lehre absolvieren. Der strenge Vater war der Meinung, sie würden sowieso bald heiraten.
Wie sich später zeigte, war die Entscheidung goldrichtig. «Alles, was wir wissen, haben wir von ihm gelernt», erzählt Hanna Trasmundi-Fiechter. «Ausser das Wursten. Das haben wir uns selber beigebracht, quasi nach Hausfrauenart.»
Das Schlachten hätten sie ihren Lieferanten überlassen. Auch mit ihren eigenen Rezepturen, die sie grosszügig an die Kundschaft verteilten, wurden die drei «gschaffigen» Frauen zu einem Gastrobegriff.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge haben die drei sonst fröhlichen Schwestern Ende 2025 ihren Platz geräumt und den jüngeren Geschwistern Hykosmoni überlassen.
Tatsächlich flossen Tränen am letzten Tag – sogar bei der männlichen Kundschaft. Der Abschied von ihrem Lebenswerk, sagt Hanna Trasmundi-Fiechter, sei ihnen sehr schwergefallen, waren sie doch immer mit dem Herzen dabei.
«Geld stand nie im Vordergrund, sondern die vielen lieben Kundinnen und Kunden, die uns die Arbeit zum Vergnügen machten.» Auch Florentina und Gojart Hykosmoni blicken auf eine Markttradition zurück. Ihr Vater Teo Hykosmoni verkauft am Markt in Oerlikon seit Jahrzehnten griechische Spezialitäten.
Florentina und Gojart Hykosmoni sind nun freitags für den Stand am Helvetiaplatz und samstags für denjenigen in Oerlikon zuständig. Florentina Hykosmoni ist studierte Betriebsökonomin, verheiratet und hat einen einjährigen Sohn. Die anderen drei Geschwister wechseln sich als Aushilfe ab.
Die Familie hat den Wagen von den Fiechters gekauft und führt das Sortiment gestrafft weiter. Nach wie vor gibt es manche Spezialität, die man nur bei ihnen findet. Wachteln etwa, oder Tauben, Entenbrust und Entenschenkel, Perlhühner sowie Wachtel- und Enteneier.
An Ostern gibt es Milchlamm und Gitzi. Hingegen unterscheidet sich die Auswahl an Wurstwaren von der bisherigen; sie wurde stark verkleinert. Und die Wildspezialitäten sind nicht mehr im Sortiment.
«Wir sind zufrieden, wobei sich die Kundschaft an die neue Situation zuerst gewöhnen muss», sagt Florentina Hykosmoni. Viele Kundinnen und Kunden seien gegenüber Veränderungen zunächst eher zurückhaltend, sie müssten sich erst daran gewöhnen. Das Vertrauen müsse zuerst erarbeitet werden.
Auf der einen Seite ist die Übernahme eines so bekannten und beliebten Geschäfts ein Geschenk, auf der anderen Seite jedoch auch eine grosse Verpflichtung.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.








