Emmental

    Robin Steiner: «Luftkissen katapultierte mich 28 Meter in die Höhe!»

    Raphael Hadorn
    Raphael Hadorn

    Unteres Emmental,

    Vom Gartentrampolin in Hindelbank BE zum Weltmeister und Weltrekordhalter: Robin Steiner (22) erzählt von seinem aussergewöhnlichen Weg.

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    Weltrekord! Hier wird Robin Steiner von einem Luftkissen im Wasser 28,2 Meter in die Höhe katapultiert. - Instagram/@flips_by_robin

    Angefangen hat alles auf einem kleinen Trampolin in einem Garten in Hindelbank BE. Heute ist Robin Steiner Weltmeister, Weltrekordhalter und erfolgreicher Influencer.

    BärnerBär: Wer ist Robin Steiner?

    Robin Steiner: Ich bin ein 22-jähriger Freestyle-Action-Athlet aus Bern. Ich mag alle Sportarten, bei denen ich meinen Körper durch die Luft wirbeln kann – vom Trampolinspringen über Klippenspringen bis zum Extreme Blobbing.

    BärnerBär: Im Extreme Blobbing hast du kürzlich einen Weltrekord aufgestellt.

    Steiner: Ja, ich liess mich von einem Luftkissen im Wasser 28,2 Meter in die Höhe katapultieren.

    BärnerBär: Wie wird man Freestyle-Action-Athlet?

    Steiner: Alles hat auf einem kleinen Trampolin in einem Garten in Hindelbank BE angefangen. Dort habe ich meine ersten Vorwärtssaltos und Backflips gemacht – inspiriert von YouTube-Videos und älteren Kids. Das war vor rund zehn Jahren.

    Robin Steiner.
    Robin Steiner. - Daniel Zaugg

    BärnerBär: Hast du dir deine Tricks von Anfang an selbst beigebracht?

    Steiner: Ich war auch im Turnverein schnuppern, wollte dort einen doppelten Salto machen. Stattdessen sollte ich zuerst lernen, gerade zu springen. Nach vier Besuchen hatte ich genug und ging ins Schwimmbad, machte den doppelten Salto vom Sprungturm.

    Noch am selben Tag stand ich ihn erstmals auf dem Trampolin. Da wurde mir bewusst: Ich brauche niemanden, der mir sagt, wie es geht. Ich kann mir alles selbst beibringen.

    BärnerBär: Wie sah dein beruflicher Weg neben dem Sport bisher aus?

    Steiner: 2023 habe ich den Gymer abgeschlossen. Die vier Jahre Gymnasium habe ich vor allem für alles andere genutzt als fürs Lernen: Ich trainierte fast täglich und brachte mir Video, Fotografie und Multimedia selbst bei, um meine Tricks für Social Media in Szene zu setzen.

    Inzwischen bin ich, wenn man so will, in meinem vierten Zwischenjahr (lacht). Für Destinationsports betreue ich die Social-Media-Kanäle. Das Unternehmen übernimmt das Travel Management und die Betreuung verschiedener Fussballteams aus der Super League sowie von Amateurteams.

    BärnerBär: Wurde dir das Trampolinspringen irgendwann zu langweilig – oder warum musstest du unbedingt auch noch mit Klippenspringen anfangen?

    Steiner: 2022 hatte ich auf dem Trampolin alles gemacht, was ich machen wollte. Weitere Tricks wären für mein Alter zu gefährlich gewesen. Ich war noch nicht erfahren und kräftig genug. Also wagte ich mich im Schwimmbad aufs Zehnmeterbrett.

    Als mir das nicht mehr genügte, sprang ich in Interlaken BE von einem Hausdach aus 13 Metern in den Schiffskanal.

    «Alles hat auf einem kleinen Trampolin in einem Garten in Hindelbank angefangen.»
    Robin Steiner: «Alles hat auf einem kleinen Trampolin in einem Garten in Hindelbank BE angefangen.» - Daniel Zaugg

    BärnerBär: Mittlerweile liegt dein Rekord bei 34 Metern. Hast du nie Angst?

    Steiner: Angst habe ich nicht, aber man muss Respekt haben und darf das Risiko nie ausblenden. Man muss sich bewusst sein, was passieren kann. Die Kräfte, die etwa beim Klippenspringen auf den Körper wirken, sind enorm. Nach meinem Sprung aus 34 Metern fühlte ich mich, als wäre ich einen Marathon gelaufen.

    BärnerBär: Ist schon mal etwas schiefgegangen?

    Steiner: Ja, einmal. Vor sechs Jahren. Im Nachhinein war es das Beste, was mir passieren konnte. Damals fühlte ich mich unsterblich. Ich wollte auf dem Trampolin unbedingt einen neuen Trick stehen, war völlig übermüdet und nicht mehr konzentriert.

    Ich verlor die Orientierung und schlug bei der Landung mit dem Knie gegen den Kopf. Dabei brach ich mir das Jochbein.

    BärnerBär: Du bist nicht nur Weltrekordhalter, sondern wurdest 2023 auch Weltmeister – im Freestyle-Trampolin. Was bedeutet dir dieser Erfolg?

    Steiner: Ich bin ehrgeizig. Der Titel war eine Bestätigung. Ich habe aber nicht mit dem Trampolinspringen angefangen, um eines Tages Weltmeister zu werden. Wichtig ist mir, dass ich den Spass nicht verliere.

    Der steht für mich im Vordergrund. Es gab noch keinen Tag in meinem Leben, an dem ich nicht mit Freude trainiert habe.

    Springst du gerne auf einem Trampolin?

    BärnerBär: Der WM-Titel liess sich sicher gut für Social Media nutzen. Brauchte es Überwindung, dich selbst als Influencer zu vermarkten und dein Leben öffentlich zu teilen?

    Steiner: Nicht wirklich. Ich war noch nie kamerascheu, bin immer gerne aufgetreten und war schon immer ein kleiner Showman. Der WM-Titel hat mir auf Social Media allerdings nicht viel gebracht. Der gelungene Weltrekordversuch hingegen ging viral.

    BärnerBär: Kürzlich fanden in Zürich die Swiss Influence Awards statt. In der Kategorie Sport wurdest du Vierter, Freestyle-Skier und Social- Media-Star Andri Ragettli holte den Sieg. Auf Instagram hast du dich mit ihm ablichten lassen. Ist er ein Vorbild, wenn es darum geht, einer Randsportart medial Aufmerksamkeit zu verschaffen?

    Steiner: Er war einer der Ersten, die das gemacht haben, und ich habe ihn deshalb schon früh verfolgt. Er hat gezeigt, dass man mit coolem Shit Millionen Leute begeistern und damit Erfolg haben kann. Man muss sich für Likes nicht zum Affen machen. Das machen schon genug andere.

    Robin Steiner ist Weltmeister und Weltrekordhalter.
    Robin Steiner ist Weltmeister und Weltrekordhalter. - Daniel Zaugg

    BärnerBär: Wie viel bedeuten dir Klicks, Likes und Reichweite?

    Steiner: Natürlich ist es nicht der Grund, weshalb ich diesen Sport betreibe, aber trotzdem ertappe ich mich dabei, fast zu oft zu schauen, ob ein Video funktioniert. Woran liegt es, wenn es gut oder weniger gut ankommt? Was kann ich beim nächsten Mal besser machen?

    BärnerBär: Was treibt dich an immer weiterzugehen? Ist es manchmal fast eine Sucht?

    Steiner: Auf eine Art schon. Einfach die Füsse hochlagern und nichts machen, das könnte ich nicht. Immer besser werden, das zeichnet die Elite aus. Kürzlich habe ich einen Trick gestanden, an dem ich vier Jahre lang gearbeitet und den ich hunderte Male versucht habe.

    Das sind die Momente, für die ich lebe. Oder wenn du vor 4000 Zuschauern von der Klippe springst, alle auf dich warten und dich anfeuern. Schau, ich habe Gänsehaut.

    Robin Steiner
    Robin Steiner: «Angst habe ich nicht, aber man muss Respekt haben und darf das Risiko nie ausblenden.» - Daniel Zaugg

    BärnerBär: Was hältst du Kritikern entgegen, die deine Sportarten für zu gefährlich halten?

    Steiner: Der spinnt, der ist lebensmüde – das höre ich immer wieder. Und ja, je knapper man dem Tod entkommt, desto mehr Views gibt es. Solche Influencer sind in unserer Szene aber verpönt. Ich weiss, was ich mache, und will mich nicht für Klicks umbringen.

    Ich bin der Erste, der sagt, dass er nicht springt, wenn es sich nicht richtig anfühlt. Ich habe keinen Bock, noch einmal einen Sommer zu verpassen wie vor sechs Jahren.

    In diesem Moment schaut Robins Vater Urs Steiner an unserem Tisch in der Trampolinhalle Belp vorbei.

    BärnerBär: Urs, hast du als Vater manchmal Angst um deinen Sohn?

    Urs Steiner: Angst habe ich nicht, weil ich weiss, dass er vorsichtig ist und überlegt an die Sache herangeht. Aber ja, es sind und bleiben Risikosportarten.

    BärnerBär: Eine letzte Frage an dich, Robin: Was sind deine nächsten grossen Ziele?

    Steiner: Ich reise nach Mexiko und Guatemala, wo es einige schöne Spots zum Klippenspringen gibt. Für nächste Saison trainiere ich auf einen Sprung mit neuneinhalb Rotationen hin: vier Saltos und fünfeinhalb Schrauben. Ich wäre der erste Mensch, dem das gelingt.

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