Überwachungs-Video: Hier brechen Krawall-Teenies in Laden ein
Auch am Sonntagabend ist es in Paris erneut zu Plünderungen und Festnahmen gekommen. Die Politik ergreift neue Massnahmen.
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Im Überblick
13- Hunderttausende Euro Schaden
- Premierminister ordnet begrenzte Ausgangssperren an
- Mutmassliche Krawall-Beute im Online-Verkauf
- Frankreichs Gelbwesten wollen am Samstag erneut protestieren
- Studierende blockieren Louvre in Paris
- Schweizer bei Krawallen in Paris festgenommen
- Innenminister bietet Rücktritt an – Macron lehnt ab
- Krisensitzung bei Lecornu
Eingeschlagene Schaufenster, gestohlene Waren, zerstörte Einrichtung: In Bordeaux wurden am Samstag mehrere Dutzend Geschäfte geplündert. Betroffen ist auch die Boutique von Estelle. Die Ladenbesitzerin schildert gegenüber dem französischen TV-Sender RMC, wie rund 30 Personen eine Schaufensterscheibe eindrückten.

«Danach stand der Laden von 13 bis 20 Uhr allen offen. Sie haben zahlreiche Kleidungsstücke und Schmuck samt den Warenständern mitgenommen.» Einen solchen Angriff habe sie als kleine, unabhängige Ladenbesitzerin noch nie erlebt.
Estelle schätzt den Verlust inklusive Einrichtung auf Hunderttausende Euro. Dazu kommt der enorme Arbeitsaufwand: Die Waren werden in ihrer Boutique von Hand beschriftet – vieles muss nun nochmals erledigt werden. Auch benachbarte Geschäfte beziffern ihre Verluste auf mehr als 100'000 Euro.
Nach den schweren Ausschreitungen in Frankreich hat Premierminister Sébastien Lecornu begrenzte Ausgangssperren angeordnet.

Lecornu erklärte, er habe die Präfekten angewiesen, in den Städten «sehr begrenzte» und «lokale» Ausgangsbeschränkungen zu verhängen, um weitere Ausschreitungen und Plünderungen zu verhindern.
Die Ankündigung folgte nach einem Krisentreffen der Regierung. Im Laufe des Nachmittags werde es eine Übersicht über die Entscheidungen der lokalen Behörden geben, sagte Lecornu.
Nach den schweren Ausschreitungen in Frankreich sorgen verdächtige Verkaufsanzeigen im Netz für Aufsehen.
Auf Plattformen wie Vinted werden neue Kleider, Parfums und Luxustaschen angeboten. Auf manchen Bildern sind offenbar noch Diebstahlsicherungen zu erkennen.
Alors lui il a tt compris plus le gros snap sur la vidéo, bon réveil à 6h😹😹😹 #17octobre pic.twitter.com/aAGnmPhGeR
— hoche (@Lormoise) October 17, 2026
Einzelne Verkäufer behaupten in den Inseraten sogar selbst, die Artikel bei den Krawallen gestohlen zu haben. Auf X kursieren Screenshots entsprechender Angebote.
Ob die Waren tatsächlich aus geplünderten Geschäften stammen, lässt sich jedoch nicht unabhängig überprüfen.

Auch auf Käuferseite ist das Interesse offenbar gross: In Suchanzeigen fragen Nutzer gezielt nach günstiger Kosmetik oder Kleidung von den Ausschreitungen. Der Verkauf gestohlener Ware ist auf Vinted verboten.
Nach den schweren Ausschreitungen in Frankreich hat die Protestbewegung der Gelbwesten neue Demonstrationen für den kommenden Samstag angekündigt.
Am 24. Oktober werde es einen «2. Akt» der Proteste geben, teilten die Organisatoren der Kundgebungen vom Wochenende auf ihrer Webseite mit. Demnach soll erneut an Dutzenden Orten demonstriert werden.
Der Protest der Gelbwesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und soziale Ungerechtigkeit hatte Frankreich zwischen November 2018 und Frühjahr 2019 in Atem gehalten. Ihr Name geht darauf zurück, dass viele der Demonstranten gelbe Warnwesten trugen. Vor dem Protestwochenende hatte es den Aufruf gegeben, die Bewegung wiederzubeleben.
Wegen einer Protestaktion von Studierenden bleibt der Louvre vorerst geschlossen. Die Demonstrierenden versperren den Zugang zum weltberühmten Museum und solidarisieren sich mit den protestierenden Oberschülern.
Zudem kritisieren sie das Vorgehen der Polizei. Touristen müssen vor dem Eingang warten. Laut Berichten reagieren sie aggressiv.
Devant la pyramide du Louvre, des étudiants d’écoles d’art et de culture manifestent et bloquent l’entrée du musée. «Les touristes qui attendent sont agressifs avec nous car ils ont payé leur billet», dit une des manifestantes qui distribuent des tracts en français et en anglais. pic.twitter.com/s3nqIhAA2y
— Jean-Baptiste Semerdjian (@JBSemerdjian) October 19, 2026
In einem Flugblatt heisst es: «Wir sind stolz, euch mitteilen zu können, dass wir das grösste Museum der Welt blockieren.»
Mit der Protestaktion wollen Studierende sich mit den Schülerprotesten solidarisieren und die «Repression» durch die Polizei anprangern.
Bei den heftigen Ausschreitungen in Paris sind laut einem französischen Polizisten auch Schweizer festgenommen worden.
Gegenüber dem Sender «BFM» berichtete er von zwei Nächten mit massiver Gewalt, Plünderungen und erschöpften Einsatzkräften. Das Ausmass der Krawalle habe selbst die Proteste der Gelbwesten deutlich übertroffen.
«Das waren keine Schüler! Wir haben dort sogar Schweizer und Schweden festgenommen», sagte er in der Sendung «Apolline Matin».
Der Polizist vermutet, dass einige der beteiligten Gruppen aus dem Ausland organisiert wurden. Die Polizei sei trotz stundenlanger Einsätze kaum gegen die zahlreichen Plünderungen angekommen.
Nachtrag von 11.59 Uhr: Die Schweizer Behörden können die Festnahmen nicht bestätigen.
Das Aussendepartement EDA schreibt auf Nau.ch-Anfrage: «Dem EDA liegen aktuell keine Informationen über Schweizer Staatsangehörige vor, die im Zusammenhang mit den jüngsten Ausschreitungen in Frankreich festgenommen wurden.»
Ebenfalls lägen keine Informationen über verletzte oder anderweitig betroffene Schweizer Staatsangehörige vor.
Präsident Emmanuel Macron hat ein Rücktrittsangebot von Innenminister Laurent Nuñez nach Angaben des Élysée-Palasts zurückgewiesen. Nuñez habe ihm am Sonntag seinen Rücktritt angeboten. Macron lehnte diesen jedoch mit Verweis auf die «notwendige Kontinuität bei der Führung der Sicherheitskräfte» ab.

Laut der Mitteilung sieht Macron «Versäumnisse» bei der Einsatzplanung der Polizei und der Informationsbeschaffung vor den Gewaltexzessen in mehreren französischen Städten.
Der Präsident habe Nuñez aufgefordert, diese Versäumnisse transparent aufzuarbeiten und neue Einsatzkonzepte für die Sicherheitskräfte zu erarbeiten, teilte das Präsidialamt mit.
Auch nach Mitternacht blieb die Lage in Paris zunächst unruhig. Laut «Le Monde» wurden gegen 0.17 Uhr in der Rue Saint-Martin mehrere Geschäfte und ein kleiner Supermarkt unter Tränengaseinsatz verwüstet. An der Ecke Boulevard de Sébastopol und Rue Berger rückte die Feuerwehr zu einem Brand vor einem KFC-Restaurant aus. In der französischen Hauptstadt sei es ausserdem erneut zu Angriffen auf Polizeiautos gekommen.
Die Polizeipräfektur zählt für Sonntag 108 Festnahmen in Paris, 66 davon am Abend. Am Samstag waren es fast 2400 Festnahmen gewesen. Auf X schreibt die Polizei am Sonntagabend von «zerstreuten Gruppen junger Gelegenheitskrimineller», die versuchten, Geschäfte zu plündern. Es wurden demnach mindestens fünf geplünderte Geschäfte gezählt. Die ganz grossen Krawalle bleiben aber anders als am Samstag aus.

Auch ausserhalb der Hauptstadt kam es am Sonntag zu Zwischenfällen. In Lyon versuchten laut Europe 1 gegen 18 Uhr rund 50 meist vermummte Jugendliche, das Schaufenster eines Lacoste-Geschäfts einzuschlagen, die Polizei setzte Tränengas ein. Wie «Seneweb» berichtet, versuchten Unbekannte weiter in Saint-Herblain bei Nantes, in ein Geschäft einzudringen.
In Nizza kam es zu Verfolgungsjagden auf der Avenue Jean-Médecin. Laut Staatsanwaltschaft nahm die Polizei rund 15 Personen in Gewahrsam. In Marseille zogen mehrere Gruppen zwischen den Einkaufszentren umher. In Guadeloupe galt in Pointe-à-Pitre und Les Abymes ab 20 Uhr ein Ausgangsverbot für Minderjährige, wie «Karibinfo» berichtet.
In Paris kam es am Sonntagabend erneut zu Plünderungen. Wie «Le Monde» berichtet, wurde am Abend etwa ein Franprix-Supermarkt an der Rue du Faubourg du Temple geplündert. «Europe 1» meldet am späteren Abend weitere Plünderungen bei Châtelet und bei einem Juwelier am Boulevard de Ménilmontant.

Nach 22 Uhr brachen laut «Le Monde» rund zehn Personen in einen Darty am Boulevard de Belleville ein. Sie flüchteten, als ein Polizeiwagen eintraf. Wie «Seneweb» schreibt, wurde zudem eine Tür des Warenhauses BHV Marais aufgebrochen, Plünderer drangen ein. Bei Châtelet und Les Halles setzte die Polizei Tränengas ein.
Die Rede von Macron stösst bei den Organisatoren der Proteste auf Kritik. Wie «Le Monde» berichtet, nannten die Gelbwesten sie inhaltsleer, forderten ein Treffen im Élysée-Palast und riefen zu weiteren Blockaden auf. Den Streiktag vom 5. November wollen sie zum Auftakt einer verlängerbaren Generalblockade machen.
CGT-Chefin Sophie Binet sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, Macron habe keine konkreten Antworten auf die Forderungen der Jungen und auf die hohen Lebenshaltungskosten gegeben. Die CGT (Confédération générale du travail) ist einer der grössten und ältesten Gewerkschaftsverbände Frankreichs.
Präsident Emmanuel Macron hat sich nach den Krawallen vom Samstag an die Franzosen gewandt. Wie verschiedene französische Medien berichten, sprach er von «Wut und Scham» und warf den Randalierern vor, die Republik zu Fall bringen zu wollen. Laut «Europe 1» sagte er, wer zerstört habe, müsse zahlen, wer geplündert habe, müsse zurückzahlen. Die Präfekten sollen bei Bedarf Versammlungen verbieten können.

Zudem kündigte er eine Krisenzelle für Betroffene an und konkrete Vorschläge für die Jungen noch diese Woche. Ausnahmezustand oder Ausgangssperre wurden laut «Al Jazeera» nicht verordnet.
Die Reaktionen fielen kritisch aus: Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon warf der Regierung vor, die öffentliche Ordnung nicht gewährleistet zu haben. Jordan Bardella vom rechtsextremen Rassemblement National bezeichnete die Rede als erbärmlich und feige.
Wie «Le Monde» schreibt, bedauerte auch Ex-Premier Edouard Philippe das Fehlen konkreter Massnahmen gegen die Gewalt.












