Thüringer Landtag im Chaos

    Anna Mikulics
    Anna Mikulics

    Deutschland,

    Im Thüringer Landtag geht es aktuell drunter und drüber: AfD-Politiker Treutler erhielt eine Rüge vom Verfassungsgericht und die Parteien ändern das Geschäft.

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    AfD-Politiker Jürgen Treutler wurde heftig für sein Verhalten am Thüringer Landtag kritisiert. - keystone

    Der Thüringer Landtag sorgt für Schlagzeilen, denn die konstituierende Sitzung am Donnerstag endete im Chaos. Der AfD-Politiker Jürgen Treutler leitete als Alterspräsident die Sitzung und blockierte mehrere Anträge und Abstimmungen anderer Parteien.

    Wie die «Tagesschau» berichtet, gelang es dem Parlament nicht einmal, seine Beschlussfähigkeit festzustellen. Treutler liess weder Wortmeldungen noch Anträge zu, woraufhin sich CDU, BSW, Linke und SPD in ihrem Rechte beschnitten sahen.

    Vorschlagsrecht auf Landtags-Präsidenten in Frage

    Inhaltlich ging es um die Wahl des Landtagspräsidenten: Als stärkste Fraktion beanspruchte die AfD das Vorschlagsrecht auf den Präsidenten für sich.

    CDU und BSW wollten mit einem Antrag zur Geschäftsordnung das Verfahren ändern – sodass das Vorschlagsrecht im Thüringer Landtag nicht mehr bei der AfD liegen würde.

    Verfassungsrechtliche Bedenken im Thüringer Landtag

    Experten kritisieren das Vorgehen der AfD scharf – so sagte der Verfassungsrechtler Michael Brenner von der Universität Jena laut «Tagesschau»: Treutler habe «nicht nur seine Kompetenzen überschritten, sondern sogar die Abgeordnetenrechte verletzt».

    Findest du, dass nur die AfD das Vorschlagsrecht auf den Präsidenten haben sollte?

    Auch der Verfassungsrechtler Maximilian Steinbeis äussert sich kritisch. Er sagte im WDR, dass Alterspräsident Treutler «die Verfassung gebrochen hat». Die AfD habe «ihre Spiele gespielt».

    Die CDU-Fraktion rief daraufhin den Thüringer Verfassungsgerichtshof an. Sie sah die Verfassung mehrfach gebrochen und Abgeordnetenrechte verletzt.

    Gerichtsentscheidung und Folgen

    Der Verfassungsgerichtshof gab der CDU Recht, wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet. Der Landtag dürfe laut ihm die Tagesordnung der konstituierenden Sitzung bestimmen, der Präsident dürfe dies nicht verhindern.

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    Der Thüringer Landtag sitzt in Erfurt. - Open Street Map

    Auch eine Änderung der Geschäftsordnung, die die anderen Parteien anstreben, sei prinzipiell zulässig und «verletzt Verfassungsrecht nicht». Damit dürfen offiziell alle Parteien einen Vorschlag auf einen Präsidenten stellen.

    Die AfD erlitt damit eine Niederlage. Treutler muss sich nun an die Anordnung des Gerichts halten und darf Anträge und Abstimmungen nicht mehr blockieren.

    Rufe nach AfD-Verbotsverfahren

    Nach dem Eklat werden Stimmen für ein AfD-Verbotsverfahren laut.

    Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) schrieb auf X: «Die heutigen Ereignisse im Thüringer Landtag haben gezeigt, dass die AfD aggressiv kämpferisch gegen den Parlamentarismus vorgeht.»

    Der CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz fordert ebenfalls ein Verbotsverfahren. Laut «WDR» betonte er, «dass die AfD gezielt die parlamentarische Demokratie untergrabe.»

    Die AfD weist die Vorwürfe zurück. Sie erklärt, nicht sie, sondern die anderen Fraktionen hätten die demokratischen Prozesse gestört.

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    Kommentare

    User #2464 (nicht angemeldet)

    Das Problem am Thüringer Landtag war, dass der Alterspräsident (immer jemand der wählerstärksten Partei, dieses Jahr halt die AfD) seine Präsidentenrede hielt und dabei dauernd unterbrochen wurde von Politikern, die meines Erachtens zu provokativem Zeitpunkt Fragen stellten („wann stellen wir die Beschlussfähigkeit fest?“// „Ich möchte jetzt zuerst die Reihenfolge der Geschäftsordnung ändern“ usw.) Der Alterspräsident wurde so und durch immer mehr Zwischenrufe gezielt und unfair völlig aus dem Konzept gebracht. Er liess zur Beruhigung der Situation etwa fünf Mal eine Zwischenpause einsetzen, damit im kleineren Kreis darüber diskutiert werden konnte, aber die Parteien rund um die AfD formierten sich immer vehementer mit störendem Klopfen und lauteren zum Teil wirklich unfassbaren Beschimpfungen. So vergingen vier Stunden! Bezahlt von den deutschen Bürgern! Traurig und befremdend, dass das Verfassungsgericht diese vorgeplante Show, dieses abgekartete Spiel der Linksmitte-Parteien nicht massiv verurteilte und darauf hinwies, dass das, was bezüglich Geschäftsordnung bisher immer iO war, nicht plötzlich schlecht sein kann, und wenn, dass auch nach der Rede des Alterspräsidenten noch genügend Zeit dafür sei. Mein Fazit: deutsche Politiker, anständig und seriös gekleidet und nett ausschauend entpuppen sich in der Masse zu Monstern!

    User #3631 (nicht angemeldet)

    Der Landtag ist umgehend aufzuheben durch das Verfassungsgericht, und sann hat der Souverän die Möglichkeit seine Vertretung zu bestimmen, wenn auch immer. Der Entscheid des Souveräns ist zu beachten.

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