Proteste im Osten Russlands reissen nicht ab

    DPA
    DPA

    Russland,

    Demonstranten haben in Chabarowsk friedlich die Freilassung von Sergej Furgal gefordert. Der Ex-Gouverneur sitzt in Moskau in Untersuchungshaft.

    Menschen nehmen in Chabarowsk an einer Protestveranstaltung zur Unterstützung von Gouverneur Furgal teil. Im äussersten Osten Russlands haben nach der Festnahme des Gouverneurs Sergej Furgal Zehntausende Menschen demonstriert. Foto: Igor Volkov/AP/dpa
    Menschen nehmen in Chabarowsk an einer Protestveranstaltung zur Unterstützung von Gouverneur Furgal teil. Im äussersten Osten Russlands haben nach der Festnahme des Gouverneurs Sergej Furgal Zehntausende Menschen demonstriert. Foto: Igor Volkov/AP/dpa - sda - Keystone/AP/Igor Volkov

    Das Wichtigste in Kürze

    • 3'500 Demonstranten haben am Samstag friedlich die Freilassung Sergej Furgals gefordert.
    • Dem Ex-Gouverneur wird vorgeworfen, zwei Morde in Auftrag gegeben zu haben.

    Tausende Menschen sind am vierten Samstag in Folge im äussersten Osten Russlands auf die Strasse gegangen. Sie protestierten für den inhaftierten Ex-Gouverneur von Chabarowsk.

    An den Protesten beteiligten sich, lokalen Medien zufolge, bei teils strömendem Regen aber deutlich weniger Menschen als an den Wochenenden zuvor. Die Behörden sprachen von 3'500 Demonstranten. Sie hätten friedlich die Freilassung von Sergej Furgal gefordert, der in Moskau in Untersuchungshaft sitzt.

    «Ich/wir sind Sergej Furgal!»

    In Chabarowsk, nahe der Pazifikküste, trugen viele Menschen wie in den Wochen zuvor Transparente mit Porträts des inhaftierten Politikers.

    Sie riefen «Ich/wir sind Sergej Furgal!» «Furgal ist unsere Wahl!» und «Freiheit.»

    Der Unmut der Demonstranten richtet sich auch gegen den Präsidenten Wladimir Putin, der den Gouverneur offiziell entlassen hatte. Es war Tag 22 der Proteste.

    Sergei Furgal
    Sergej Furgal im Gericht. - AFP

    Demonstrationen sind in Russland wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht erlaubt. Berichte über Festnahmen gab es zunächst nicht. Am Freitagabend seien zwei junge Demonstranten nach einer Kundgebung in Polizeigewahrsam gekommen, berichtete der Radiosender Echo Moskwy.

    «Wir haben keine Angst vor Festnahmen, wenn unsere Zukunft auf dem Spiel steht», sagte eine Frau der lokalen Nachrichtenseite DVHab.ru. Seit gut drei Wochen dauern die Proteste rund 6'000 Kilometer östlich der Hauptstadt an. Sie richten sich auch gegen eine politische Bevormundung aus Moskau.

    Die Menschen halten das Vorgehen der Justiz gegen den Politiker der Liberaldemokratischen Partei Russlands Wladimir Schirinowski «für politisch motiviert. Furgal hatte sich bei der Wahl vor zwei Jahren gegen den Kandidaten der Kremlpartei durchgesetzt. Er gilt als beliebt in der Region.

    Furgal soll Morde in Auftrag gegeben haben

    Die Ermittler werfen Furgal vor, er habe als Geschäftsmann vor 15 Jahren zwei Morde in Auftrag gegeben. In einem weiteren Fall sei es bei versuchtem Mord geblieben. Der 50-Jährige bestritt die Vorwürfe.

    Der Kreml hat Michail Degtjarjow übergangsweise als Gouverneur eingesetzt und hofft, dass die Proteste damit abebben. Degtjarjow ist ein Parteifreund Furgals. «Wenn die Region und die regionale Leitung wieder wie gewohnt arbeiten, wird sich die Situation beruhigen. Wir hoffen es», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow vor wenigen Tagen – man beobachte die Lage weiter.

    Kommentare

    Weiterlesen

    1 Interaktionen
    Chabarowsk
    Ukraine-Krieg
    4 Interaktionen
    Auch gegen Putin

    MEHR IN NEWS

    1 Interaktionen
    Bern
    Slowup
    4 Interaktionen
    Zürich
    Lufthansa
    4 Interaktionen
    Frankfurt/Main

    MEHR AUS RUSSLAND

    Juri Dmitrijewf
    4 Interaktionen
    Moskau/Berlin
    putin
    890 Interaktionen
    Aufatmen?
    nestlé zwangsverwaltung
    49 Interaktionen
    St. Petersburg
    Marina Vlady
    Mehr als 80 Filme