Wieder Siedlergewalt im Westjordanland
Im Westjordanland hat es erneut gewaltsame Angriffe radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser gegeben. Palästinensische und israelische Medien berichteten von einem Vorfall, bei dem Siedler einen Mann und dessen Kind in der Nähe von Ramallah angriffen.

In den Medien verbreitete Aufnahmen zeigen, wie die Siedler in zwei Autos zunächst dem palästinensischen Wagen den Weg abschneiden und anschliessend mit Stöcken auf den Vater losgehen. Zu sehen ist auch, wie der Mann und sein Sohn fliehen.
Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete, die Siedler hätten anschliessend den Wagen gestohlen. Israels Armee sagte auf Anfrage, Soldaten hätten israelische Randalierer aus der von Palästinensern bewohnten Gegend gebracht. Zu dem Vorfall werde nun ermittelt und nach den Verdächtigen gesucht.
Laut Wafa griffen zudem in mehreren Orten radikale Siedler palästinensische Arbeiter bei der Olivenernte an. Auf einem ebenfalls in israelischen und palästinensischen Medien verbreiteten Video war zu sehen, wie auch ein israelischer Soldat Palästinenser von der Olivenernte abhält und ihnen sagt, dass Juden gegenüber Arabern ein Vorrecht auf alles im Land hätten. Israels Armee sagte auf Anfrage, sie prüfe die Berichte.
Eine zuständige palästinensische Behörde zählte seit dem Morgen 19 Vorfälle im Zusammenhang mit Siedlergewalt im Westjordanland, darunter Diebstahl von Vieh und Ernte sowie Angriffe auf palästinensische Erntearbeiter mit Verletzten.
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg weiter verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden dort seitdem mehr als 1.100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet.
Zugleich hat die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser deutlich zugenommen. Dem israelischen Militär wird immer wieder vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen solche Angriffe vorzugehen oder sogar mit den Siedlern zu kooperieren. Beobachter warnen bereits vor einem neuen Palästinenseraufstand infolge der Siedlergewalt.
Israel eroberte während des Sechstagekrieges 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem. Dort leben heute inmitten von drei Millionen Palästinensern mehr als 700.000 israelische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat. Der UN-Sicherheitsrat bezeichnete 2016 die israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten als Verletzung des internationalen Rechts und forderte Israel zum vollständigen Siedlungsstopp auf.














