Hier könnte sich der Iran an den USA rächen

    Benedikt Theiler
    Benedikt Theiler

    Irak,

    Die Tötung des iranischen Top-Generals durch die USA verschlechtert die Sicherheitslage im ganzen Nahen Osten. An diesen Orten könnte der Iran zurückschlagen.

    Konflikt Iran-USA
    Teilnehmer einer Demonstration halten Plakate mit dem Abbild des Generals Soleimani während eines Protestes gegen einen US-Luftangriff im Irak, bei dem der iranische General getötet wurde. - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Mit dem Tod des iranischen Top-Generals Soleimani hat sich die Lage im Nahost verschärft.
    • Der Iran wird auf die durch die USA durchgeführte Tötung reagieren.
    • Viele Nahostländer könnten die Folgen des US-Flugangriffs zu spüren bekommen.

    Die Frage ist nicht ob, die Frage ist wann und wo sich der Iran für die Tötung des iranischen Top-Generals Kasem Soleimani rächen wird. Klar ist auch, der Tötungs-Befehl von US-Präsident Donald Trump wird Folgen in der ganzen Region des Nahen Ostens haben.

    Der Iran ist stark vernetzt in der Region und es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wo der Iran zurückschlagen könnte. Allem voran im Irak.

    Irak

    Über 16 Jahre ist es her, als die USA im Irak einmarschiert sind und Diktator Saddam Hussein gestürzt haben. Seither sind die Amerikaner mit Soldaten im Land. Derzeit sind nach CNN-Schätzungen noch rund 5000 US-Soldaten im Irak stationiert. Nun wurden nach dem Anschlag auf Soleimani gestern Freitag abermals Soldaten in die Region entsendet.

    saddam hussein
    Der irakische Diktator Saddam Hussein wurde 2003 durch die Amerikaner gestürzt. - Keystone

    Mit dem Sturz Husseins 2003 haben die Amerikaner nicht nur einen unliebsamen Diktator beseitigt, sie haben faktisch auch den unter Hussein unterdrückten Schiiten an die Macht verholfen. Im Irak gehören über 60 Prozent dieser Religionsgruppe an. Sie sind eng mit dem Iran (ebenfalls Schiiten) verbandelt. Der Iran ist selbst an einem stabilen Irak interessiert.

    Vor allem sunnitische Kreise im Irak begrüssten gestern die Tötung des Iran-Generals und eines weiteren irakischen Shiiten-Miliz-Führers. Der US-Luftschlag dürfte nicht nur die Gefahr auf Anschläge auf Amerikaner im Irak gesteigert, sondern auch die den schwellenden Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten im Irak gefördert haben. Der Weg hin zu mehr Stabilität im Irak scheint endgültig vom Tisch, zumal die USA ihre Vermittlerrolle vollends verspielt haben und nur noch als Besatzungsmacht angesehen werden dürften.

    Syrien

    Seit 2011 wütet in Syrien ein erbitterter Bürgerkrieg. Wie auch im Irak konnten die sunnitische Terrorgruppe Islamischer Staat mit Hilfe von Schiitischen Milizen vertrieben werden. Der schiitische Diktator Baschar al-Assad wird von der ebenfalls schiitischen Hisbollah-Miliz aus dem Libanon, von Russland und iranischen Militärberatern unterstützt.

    assad iran
    Syriens Präsident Bashar al-Assad wird vom Iran gestützt. - dpa

    Die USA sind mit rund 500 bis 1000 Soldaten im Land und unterstützen syrische Rebellen. Dass sie mit dem Rückzug aus dem Türkisch-Syrischen Grenzgebiet den kurdischen Rebellen in den Rücken gefallen sind, kommt der USA nun sicher nicht zu Hilfe.

    Israel – Palästina

    «Al-Quds» heisst die iranische Sondereinheit, die Soleimani bis zu seinem Tod anführte – gleich wie die Stadt Jerusalem in Israel auf Arabisch lautet. Ihr hehres Ziel ist die «Rück»-Eroberung Jerusalems und die Vernichtung Israels.

    Palästinenser
    Al-Quds, wie Jerusalem auf Arabisch heisst. - dpa

    In Palästina unterstützt der Iran anti-israelische Kräfte wie die Hamas oder den sunnitischen Islamischen Dschihad. Auch für Israel – den wichtigsten Verbündeten der USA in der Region – dürfte sich die Bedrohungslage verschlechtert haben.

    Jemen

    Im 2015 startet Saudi-Arabien zusammen mit einer Koalition sunnitischer Staaten im Jemen eine Militärintervention. Ziel war es, mit Luftschlägen die schiitische Huthi-Rebellen, welche die Jemenitische Hauptstadt Sanaa einnehmen konnten, zurückzuschlagen. Damit trieben sie die Huthi-Rebellen in die Hände des Erzfeindes Iran.

    jemen
    Kriegsschäden in jemenitischer Stad Tais. - AFP

    Die mit dem Iran verbündeten Rebellen haben nach dem Tod Soleimanis zur Vergeltung aufgerufen. «Wir verurteilen dieses Attentat und die Lösung dafür sind schnelle und direkte Vergeltungsmassnahmen», erklärte ein hochrangiger Huthi-Vertreter auf Twitter.

    Saudi-Arabien – Strasse von Hormus

    Während Monaten kam es in der Strasse von Hormus zu mehreren Zwischenfällen. Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten weltweit. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft. Unter anderem die USA beschützen seither mit Kriegsschiffen die Handelsroute.

    hormus
    Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA hatte die Sicherheitslage in der Strasse von Hormus zuletzt dramatisch verschlechtert. - dpa

    Die iranische Führung hatte mehrmals gedroht, das Nadelöhr zu blockieren. Etwa könnten Seeminen zum Einsatz kommen. Mit einer Blockade könnten die Mullahs den internationalen Schiffsverkehr empfindlich treffen.

    Auch weitere Öl-Anlagen in mit den USA verbündeten Ländern, wie etwa in Saudi-Arabien, könnten Ziele der Iraner sein. Bereits im September sollen zwei Anlagen im Golfstaat durch Drohnen attackiert worden sein.

    Afghanistan

    Auch Afghanistan fürchtet sich nach der Tötung von Soleimani vor mehr Gewalt in der Region. Die USA hatten kürzlich die Gespräche mit den militant-islamistischen Taliban über Wege zum Frieden wieder aufgenommen. In Afghanistan sind derzeit rund 12'000 US-Soldaten stationiert. Trump verfolgt das Ziel, die Truppenzahl im iranischen Nachbarland zu senken.

    afghanistan
    Die USA sind mit noch rund 12'000 Soldaten in Afghanistan. - AFP/Archiv

    Weitere US-Soldaten sind etwa in der Türkei (ca. 1700), Ägypten (ca. 300), Kuwait (ca. 1800), Bahrain (ca. 4000), Katar (ca. 10'000) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (ca. 350) stationiert.

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