HCD: Noch bleibt Del Curtos Schatten

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SLAPSHOT, Kristian Kapp

Josh Holden hat den HC Davos auf ein neues Level gehievt. Zur neuen Ära fehlt dem HCD aber weiterhin der Meistertitel.

Josh Holden HC Davos
Headcoach Josh Holden. - keystone

Josh Holden hat den HC Davos auf ein neues Level gehievt. Aber um eine wahre neue Ära einzuleiten, fehlt dem kanadisch-schweizerischen Doppelbürger nach wie vor ein Meistertitel. Mit verlorenen Overtimes in den Spielen 6 und 7 kam der HCD 2026 diesem so nahe wie noch kein anderer Zweiter zuvor.

Als Josh Holden 2023 zum HC Davos stiess, sprach er sofort zwei Elefanten im Raum an. Seine Vergangenheit als polarisierender Spieler beim ungeliebten Rivalen EV Zug. Und natürlich Arno Del Curto. Holden wusste, dass sich jeder Nachfolger und Nach-Nachfolger des grössten Trainers der HCD-Historie Vergleiche anhören muss.

22 Jahre war Del Curto Trainer in Davos, er gewann sechs Meistertitel und fünfmal den Spengler Cup. Er nehme diese Herausforderung an, sagte Holden. Er sei auch darum nach Davos gekommen, um diese grossartige Kultur des HC Davos weiterzuführen und ihr dabei auch seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Bloss grosse Worte? Nein.

Die Saison 2025/26 schien mit Spengler Cup-Triumph, souveränem Qualifikationssieg und Finalteilnahme lange Zeit perfekt. Doch dann fehlte in der Overtime von Spiel 7 ein einziges Tor. Und Holden hätte nach drei Jahren etwas erreicht, worauf Del Curto sechs warten musste: Meistertitel Nummer 1.

HCD
Josh Holden hat den HC Davos auf ein neues Level gehievt. - imago

Er ist dennoch schneller unterwegs, als es die meisten erwartet hätten: Holden hat nach drei Jahren bereits zweimal den Spengler Cup gewonnen. Vielleicht hinkt der Vergleich, vielleicht auch nicht.

Aber Fakt ist: Für Del Curto dauerte die Wartezeit auf Titel Nummer 1 beim Heimturnier des HCD fünf Jahre.

Die Parallelen zu Arno Del Curto

Doch genug der Blasphemie. Wahrscheinlich wird auch Holden die Rekorde des Engadiners nicht brechen. Die Anzahl der Jahre und Triumphe ist dafür schlicht zu gross. Es gibt dennoch auch Parallelen: zum Beispiel die Offenheit für verschiedene Eishockey-Kulturen.

Del Curto bastelte sich sein Hockey aus allen möglichen Einflüssen zusammen. Holden entsprach als Spieler zwar durch und durch dem Klischee des «Crazy Canuck». Als Headcoach aber ist er nach den Lehrjahren in Zug ein skandinavisch geprägter Liebhaber von Struktur, begleitet von einem Defense-First-Mantra und einem feinen Gespür dafür, welche Freiheiten seine Spieler brauchen.

HC Davos
Unter Arno del Curto feierte der HC Davos grosse Erfolge. - keystone

Und er arbeitet daran, aus zwei Schatten zu treten. Aus jenem seines Mentors Dan Tangnes – vor Davos war Holden während fünf Jahren Assistenztrainer beim EVZ, aber nie Headcoach. Und aus jenem, in dem der ganze HCD steht. Den letzten Titel gewann er mit seinem «ewigen Trainer» Del Curto 2015.

Der eigentlich perfekte Mix

Diesen HCD prägen aber mehr aus als nur ein Trainer und ein Staff mit den so unterschiedlichen, aber harmonierenden Assistenten Klas Östman und Dylan Stanley. Die Analyse tönt fast, als wäre der Klub am Ende auch Meister geworden – so nahe war er dran.

HCD
Die Saison 2025/26 schien mit Spengler Cup-Triumph, souveränem Qualifikationssieg und Finalteilnahme lange Zeit perfekt. - imago

Die Mischung im Team war nahezu perfekt, jede Gattung von Spieler war mehrfach vertreten. Für die Schlagzeilen sorgten vor allem in der Qualifikation wie immer und überall die Künstler und Skorer wie Enzo Corvi, Matej Stransky, Filip Zadina, Adam Tambellini oder auch Offensivverteidiger Lukas Frick. Und natürlich Goalie Sandro Aeschlimann.

Das wichtigere und unterschätzte Element lag aber gerade im Playoff darin, wie exzellent auch die weniger im Fokus stehenden Rollen besetzt waren: Zweiwegstürmer mit Einfluss in allen Zonen des Spielfelds (Simon Ryfors, Rasmus Asplund), Defensivverteidiger (Klas Dahlbeck, Sven Jung), Forechecker (Yannick Frehner) und aufsässige «Nervensägen» (Chris Egli, Simon Knak).

Zumindest als heimlicher Playoff-MVP hätte Dahlbeck bei einem Titelgewinn getaugt. Trotz elf Siegen brauste der HCD im Playoff nur selten über seine Gegner hinweg. In allen drei Serien musste er sich phasenweise gegen stark dominierende Gegner behaupten. Doch sein schwedischer Defensivroboter war stets ein Fels in der Brandung.

Die finale Zutat zum wahren Playoff-Team lieferte aber ausgerechnet jener Spieler, der letzte Saison noch ausgelacht wurde, weil er praktisch keinen Einfluss auf dem Eis hatte und ungeeignet fürs Spiel in Europa schien: Der Wandel des Brendan Lemieux vom Sorgenkind zur lästigen Flügelfräse mit Offensivqualitäten war eine der erstaunlichsten Eishockey-Geschichten der Saison.

Die Zukunft bleibt vorerst rosig

Zusammengestellt hat dieses Team grösstenteils Sportchef Jan Alston. Für das Fundament des Neustarts nach Del Curtos Abgang hatte bereits sein Vorgänger Raeto Raffainer gesorgt, Alston folgte 2021 und baut seither fleissig am Meisterpuzzle.

Alston kann mit einem Budget operieren, das nicht zu den allerhöchsten der Liga, aber doch zum oberen Drittel gehört. Einen Grossteil tragen dazu der Spengler Cup und vor allem die finanziell potente Gönnervereinigung Kristall-Club bei.

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Der HCD wird auch nächste Saison zu den Topfavoriten gehören. - keystone

Der HCD konnte den Umsatz seit der Renovation des Stadions 2021 konstant erhöhen, letzte Saison präsentierte er einen Klub-Rekord von 35 Millionen Franken. Ein Bestwert der Vereinsgeschichte war in der aktuellen Saison auch der Zuschauerschnitt von 5577 in der Regular Season. Dazu kam im Playoff mit knapp 6500 Fans in zehn Heimspielen eine Stadionauslastung von 99,2 Prozent.

Die Zukunft in Davos bleibt trotz verlorenem Final vorerst rosig. Der HCD wird auch nächste Saison zu den Topfavoriten gehören. Die Abgänge von Michael Fora und vor allem Dahlbeck in der Abwehr sowie Knak, Chris Egli aber auch Stransky im Sturm mögen das Davoser Spiel im physischen Bereich deutlich schwächen.

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Und mit den Rückkehrern Dominik Egli und Ken Jäger hat Alston zwar komplett andere Spielertypen verpflichtet, aber dennoch exzellente Transfers von Schweizer Spielern getätigt. Für Aufsehen sorgte der Sportchef zudem bereits während der Saison mit diversen Vertragsverlängerungen von häufig auf dem Markt begehrten Spielern.

Die vielen langen Verträge im HC Davos lassen aufhorchen: Mit Jäger (bis 2033), Egli (bis 2032), Aeschlimann, Frehner und Jung (bis 2031), Frick (bis 2030), Corvi und Nico Gross (bis 2029) sind gleich acht Spieler für viele Jahre an den Klub gebunden worden.

Im Optimalfall baut Alston hier an einer Dynastie. Im Worst-Case-Szenario klagt sein Nachfolger in ein paar Jahren über eine überalterte und teure Mannschaft. Aber wer denkt in Zeiten offener Meisterfenster schon an die ferne Zukunft?

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