«Ein Vorbild für die Buben: Her mit der männlichen Nanny!»
«Wie wäre es mit einer männlichen Nanny, einer «Manny»?», fragt sich Kolumnistin Dr. Verena E. Brunschweiger. Und liefert Argumente.

Das Wichtigste in Kürze
- Dr. Verena E. Brunschweiger schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen.
- Heute schreibt sie über männliche Vorbilder für die Kids.
Frauen in soziale Tätigkeiten jeglicher Art zu drängen, beginnt unheimlich früh.
Fragt man in einer beliebigen Mittelstufenklasse nach Nebenjobs der Teenager, antworten ausschliesslich Mädchen immer wieder mal mit «Babysitting». Und wenn man «Die Zeit» liest, geben Vollzeit arbeitende Eltern dort schon mal an, das alles klappe nur wegen der Beschäftigung von Au-pair-Mädchen, Nanny und einer Putzfrau.
Männerdominierte Studiengänge
Es gibt Studiengänge und Branchen, die extrem männerdominiert sind.
Es bricht mir das Herz zu sehen, dass Mädchen, die sehr wohl naturwissenschaftlich begabt sind, sich wieder und wieder für Berufe entscheiden, die mit dem Bruchteil des Gehalts eines durchschnittlichen Maschinenbauers oder Informatikers entlohnt werden.
Vorurteile gegenüber «Mannys»
Zurück zur Nanny. Wie wäre es dann wenigstens mit einer männlichen Nanny, einer «Manny»?

«Mannys» begegnen leider immer noch Vorurteilen. Obwohl sie natürlich ebenso fürsorglich sein können wie Nannys. Aber: Eltern haben leider oft ein traurig reaktionäres Verständnis von Geschlechterrollen.
Offenbar denken Eltern, die «Manny» würde das noch nicht allein sitzen könnende Kleinkind etwa in die WC-Schüssel fallen lassen oder dergleichen.
Dabei ist ihnen doch angeblich ein Dorn im Auge, dass an Grundschulen männliche Vorbilder für ihre Jungs fehlen. Warum dann nicht eine männliche Bezugsperson ins Haus holen?
Au-pairs aus den Philippinen
In der Schweiz kommen viele der Au-pairs aus den Philippinen. Auch in den anderen deutschsprachigen Ländern oder in Italien gewinnt es an Popularität, junge Ausländerinnen als Kinderbetreuerinnen oder Haushälterinnen anzustellen.
Über Au-pair-Erfahrungen gibt es haarsträubende Berichte: Die Mädchen bekommen oft wenig Geld, haben kaum Freizeit und müssen, ohne pädagogische Ausbildung, zum Teil mit ultraverwöhnten Kindern Tag und Nacht zubringen.
Auch die angeblichen «leichten Haushaltstätigkeiten» sind bei nicht wenigen dann oft stundenlanges Putzen der Häuser der Gastfamilie oder tägliches mehrmaliges Einkaufen-Kochen-Abwaschen. Von gar nicht so seltenen sexuellen Übergriffen ganz zu schweigen.
Sich zu beschweren wagen viele Mädchen nicht, da sie Angst haben, einfach sofort wieder auf die Philippinen zurückgeschickt zu werden.
Wie so oft überschneiden sich hier Aspekte der Schicht und des Geschlechts. Gesetzliche Vorgaben sind da natürlich ein unerfüllter Wunsch.
Antikapitalistische Massnahmen würden die Problematik durchaus mildern. Aber es gibt ja zumindest noch die Möglichkeit, jüngere und ältere Mädchen nicht mit einer Babypuppe zu beschenken, sondern progressive(re) Geschlechterrollen zu fördern.
Und wenn man unbedingt ein Au-pair oder eine Nanny «braucht», könnte man es ja auch mal mit einer «Manny» probieren, oder?

Zur Person
Dr. Verena E. Brunschweiger, Autorin, Aktivistin und Feministin, studierte Deutsch, Englisch und Philosophie/Ethik an der Universität Regensburg. 2019 schlug ihr Manifest «Kinderfrei statt kinderlos» ein und errang internationale Beachtung.







