«Carlabelle»: Zürich, sei doch mal ehrlich!
Zürich ist wie ein Mann, mit dem ich jüngst auf einem Date war: Grosse Ambitionen, Grosse Versprechungen – aber irgendwie vieles nur oberflächlich.

Das Wichtigste in Kürze
- Carla Welti schreibt bei Nau.ch in ihrer Kolumne über Autos, Motorsport, Zürich und die Schweiz.
- Auf Instagram folgen der Zürcherin unter dem Namen «Carlabelle» mehr als 18’000 Fans.
Letztens wurde ich mal wieder von einem Mann enttäuscht.
Zürich ist manchmal ein seltsames Pflaster: Sieht wunderschön aus, wird gefühlt aber jeden Tag chaotischer. Will eine grüne Politik fahren, stellt aber extrem wenig öffentliche Auto-Ladestationen auf. Behauptet, mit der Zeit zu gehen, hält bei fest installierten Klimaanlagen aber selbst angesichts zunehmender Hitzetage an einem aufwändigen Bewilligungsverfahren fest.
Ungefähr so hat sich mein letztes Date angefühlt. Eine Kennenlern-Geschichte im geschäftlichen Umfeld – so viel, wie ich arbeite, bleibt mir kaum etwas anderes übrig – süsse erste Berührungspunkte und ein herrliches erstes Date, welches sich durch einen ganzen Tag gezogen hat.

Danach gähnende Leere. Ganz im Stil von Zürich wirkte im Nachhinein alles irgendwie nur noch oberflächlich. Und ganz im Style vom neuesten Dating-Verhalten werden nur noch meine Stories geliked oder kryptische Nachrichten verschickt. «Not even the bare minimum», würde Gen Z jetzt sagen.
Doch was mich erschreckt, sind die Gedanken, bei denen ich mich ertappe: «Hoffentlich hält er nicht so wenig von mir, dass er mich in der Industrie jetzt schlecht spricht – vor allem in einer Stadt wie Zürich, wo sich jeder kennt wie in einem Dorf.»
Ja, der Gedanke mag etwas veraltet sein und wurde mir bestimmt von meinen Boomer-Eltern mitgegeben. Nichtsdestotrotz kann mir keiner sagen, dass sich in dieser Sorge nicht doch ein Funke Wahrheit versteckt.
Eines ist klar: Zürich, so sehr wie ich es liebe, hat in jeder Hinsicht dringenden Bedarf an ‹emotional grounding›. Ich finde, ein respektvoller Umgang, klare Kommunikation und ein gesprochenes Wort, das dann auch echten Wert trägt, dürfte das neue Chic werden.

Und wenn wir schon bei klarer Kommunikation sind: Liebes Zürich, wie wäre es denn, darin ein Vorbild zu sein? Die europäisch angehauchte Politik mit grüner Richtung zu verfolgen, ist, was die Mehrheit, vor allem in der Stadt, wohl so möchte.
Aber wenn eure städtische Massnahmen in Bezug auf die Handhabung der Automobile nicht auf tatsächliche Weiterentwicklung und Innovation hinweisen, sondern eher einer zukünftigen Verbarrikadierung gleichen, dann steht ihr nicht nur einer Industrie im Weg, die über 100’000 Mitarbeiter beschäftigt und einen Umsatz in zweistelliger Milliardenhöhe erzielt (laut AGVS-UPSA).
Ihr präsentiert euch dann auch so wie mein Date: Grosse Klappe, nichts dahinter.
Zur Autorin
Carla Welti, auch bekannt als «Carlabelle», ist seit fast sieben Jahren als Automobil-Content-Creator, Moderatorin, Boxen-Reporterin und Influencerin in der Welt des Motorsports unterwegs. Bei Nau.ch schreibt sie in ihrer Kolumne über ihre Erfahrungen in der Auto-Welt, über den Schweizer Motorsport und alles, was vier Räder hat.








