Auch die Fifa wendet sich im Blatter-Verfahren an Bundesanwaltschaft

Ein Verfahren gegen Sepp Blatter wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung soll eingestellt werden. Die Bundespolizei und die Fifa wehren sich dagegen.

Sepp Blatter steht weiter im Visier der Justiz. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bundesanwaltschaft will das Verfahren gegen Sepp Blatter einstellen.
  • Neben der Bundespolizei wendet sich nun auch die Fifa an die Bundesanwaltschaft.
  • Beide Parteien plädieren für eine Fortsetzung der Untersuchungen gegen Blatter.

Mit der Bundespolizei plädiert auch die Fifa in einer Eingabe an die Bundesanwaltschaft dafür, ein Strafverfahren gegen Joseph Blatter fortzusetzen. Es geht dabei um den Verkauf von TV-Rechten. Die Bundesanwaltschaft will das Verfahren einstellen.

Die Fifa hat bei der Bundesanwaltschaft offiziell Anträge eingereicht, in denen sie nachdrücklich argumentiert, das Verfahren fortzuführen. Die entsprechende Mitteilung der Fifa liegt der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor. Die französische Zeitung «Le Monde» hatte zuerst darüber berichtet.

Die Fifa, rund um Präsident Gianni Infantino, wendet sich im Verfahren gegen Sepp Blatter an die Bundesanwaltschaft. - keystone

Fifa will «relevante Personen zur Rechenschaft ziehen»

Sie wird alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen, um sicherzustellen, dass «die relevanten Personen zur Rechenschaft gezogen werden», schreibt die Fifa. Sie sei bereit, mit allen Strafverfolgungsbehörden - auch jenen in der Schweiz - zusammenzuarbeiten. Dies in der Hoffnung und Überzeugung, dass die Verantwortlichen dafür geradestehen müssten, dem Fussball geschadet zu haben.

Die Bundespolizei hält in ihren Eingaben an die Bundesanwaltschaft den Verdacht wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung für gut begründet. Dies wurde am Freitag bekannt. In ihrer Gesamtbeurteilung kam die Bundesanwaltschaft aber offensichtlich zum Schluss, dass die bundespolizeilichen Feststellungen nicht ausreichten, um dieses Strafverfahren fortzuführen.

Jack Warner wurde wegen Korruptions-Vorwürfen lebenslang gesperrt. - Keystone

Der Weltverband soll beim Verkauf von Fernsehrechten an die Karibische Fussballunion (CFU) auf die Einforderung einer Gewinnbeteiligung verzichtet haben. Davon soll der damalige CFU-Präsident Jack Warner profitiert haben. In ihren Berichten kommen die Polizeiermittler laut übereinstimmenden Medienberichten zu diesem Schluss.

Blatter hat demnach zugelassen, dass die Fifa am Vermögen geschädigt wird. Gemäss den publizierten Polizeierkenntnissen nahm Blatter mindestens in Kauf, dass sich Warner habe bereichern können. Die Bundesanwaltschaft nahm zu diesen Inhalten selber keine Stellung.

Sepp Blatter bestritt von Beginn weg

Blatter hat die Vorwürfe gegen ihn von Beginn weg bestritten. Mitte April hatte er angekündigt, nach Abschluss der Verfahren bei der Fifa einen Antrag auf Rehabilitierung stellen zu wollen. Dies, da seine sechsjährige Suspendierung durch die Fifa-Ethikkommission aufgrund von Vorwürfen der Schweizer Justiz erfolgt sei.

Sepp Blatter war von 1998 bis 2016 Präsident der Fifa. - afp-fuba_pics

Mitte April war bekannt geworden, dass die Bundesanwaltschaft eines von zwei Ermittlungsverfahren gegen Blatter einstellen will. Eine Begründung nannte die Bundesanwaltschaft nicht. Blatter soll demnach im Verfahren um die angeblich zu billig verkauften TV-Rechte nicht weiter strafrechtlich verfolgt werden.

Das Verfahren um die Filmrechte war Teil eines zweiteiligen Verfahrens gegen den ehemaligen Fifa-Präsidenten, das 2015 eröffnet worden war. Im zweiten Strafverfahren wird Blatter vorgeworfen, 2011 eine umstrittene Zahlung den damaligen Uefa-Präsidenten Michel Platini veranlasst zu haben. Die Ermittlungen in dem Fall laufen weiter.