Zweisprachigkeit seit 30 Jahren in der Bieler Stadtordnung
Das Neben-, Mit- und Durcheinander von Deutsch und Französisch prägt die Stadt Biel. Vor 30 Jahren verankerte die Stadt die Zweisprachigkeit offiziell in der Stadtordnung.

Heute ist Biel die grösste zweisprachige Stadt der Schweiz. Das Verhältnis zwischen deutsch- und französischsprachiger Bevölkerung ist mittlerweile mit 55,2 und 44,8 Prozent fast ausgeglichen, wie die Stadt in einer Mitteilung vom Dienstag schreibt.
Die Zweisprachigkeit sei ein wichtiger Faktor für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Lebensqualität. Biel habe auch eine wichtige Brückenfunktion zwischen der Romandie und der Deutschschweiz.
Biel war schon immer eine Kontaktzone zwischen der deutschen und der französischen Sprache. Anfänglich deutsch geprägt, zogen ab dem 19. Jahrhundert viele Französischsprachige in die Stadt, um in der Uhrenindustrie zu arbeiten.
Durch Industrialisierung und Zuwanderung pendelte sich die Zahl der Frankophonen ab den 1970-er Jahren bei etwa 40 Prozent ein. Seit dem Jahrtausendwechsel wächst die frankophone Bevölkerung kontinuierlich. 1996 wird die Zweisprachigkeit in der Stadtordnung verankert.
«Ouvert le Sonntag» kann man etwa auf einem Schild an einer Bieler Bar lesen. Dort kann man also am Sonntag hin und sich einen «petit schlouck» zur Erfrischung genehmigen.
Doch die lockere Durchmischung der Sprachen gerät heutzutage auch etwas unter Druck, wie die Bieler Historikerin Margrit Wick vor einem Jahr in einem Beitrag des Regionaljournals Bern, Freiburg, Wallis sagte.
Nach Biel zog es in den letzten Jahren vermehrt Menschen aus der Romandie, etwa aus Neuenburg oder Genf, für die der Umgang mit der deutschen Sprache, insbesondere mit dem Schweizerdeutsch nicht so selbstverständlich ist.
Die Nachbarschaft zwischen Deutschschweizern und Romands droht daher mitunter eher zum Nebeneinander als zum Miteinander zu werden. «Es braucht von beiden Seiten einen Effort», sagte denn auch die Bieler Stadtpräsidentin Glenda Gonzalez Bassi im Sommer 2025 im Regionaljournal-Beitrag. Nur so funktioniere das Miteinander bei der Zweisprachigkeit auch in Zukunft.
Die Zweisprachigkeit ist Teil der Bieler DNA und trägt zur Attraktivität der Stadt bei. In der Stadt Biel können Kinder auch zweisprachigen Schulunterricht erhalten, in der sogenannten «Filière Bilingue». Der Unterricht findet hälftig auf Deutsch und Französisch statt. Die über 300 Kinder werden von rund 40 Lehrpersonen unterrichtet.
Offiziell in der Stadtordnung verankert ist die Zweisprachigkeit seit dem 9. Juni 1996. Seit 30 Jahren sind Französisch und Deutsch demnach gleichberechtigte Amtssprachen. Pünktlich zu diesem Jubiläum wurde die Bieler Stadtverwaltung mit dem Label des Forums für Zweisprachigkeit rezertifiziert.






