Ärger über «schikanösen» Zugang zum Bundes-Medienzentrum

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Nun wird die Politik aktiv: Der Zugang zum Medienzentrum des Bundes verärgert die Medienschaffenden. Einer hat sich gar verletzt.

Türe Medienzentrum des Bundes
Bald ein Bild mit Seltenheitswert? Die Türe zum Medienzentrum des Bundes hat sich geöffnet. - Nau.ch / Matthias Bärlocher

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Sicherheitsmassnahmen beim Medienzentrum des Bundes wurden verschärft.
  • Zum Leidwesen der Medienschaffenden, die dies als «schikanös» empfinden.
  • Nachdem es einen Verletzten gab, wird nun die Politik aktiv.

Gleich vis-à-vis des Bundeshaus West befindet sich das «Medienzentrum des Bundes». Rund 120 Medienschaffende aus allen Landesteilen, von Privaten und der SRG, sind dort tätig. Man möchte sagen: «Sie gehen dort ein und aus.»

Ausser, dass gerade dies – das Ein- und Ausgehen – zunehmend zum Problem und sogar gesundheitsgefährdend wird. Nun wird sogar die Politik aktiv.

Vor verschlossener Türe zugunsten der Sicherheit

Denn im Medienzentrum gelten verschärfte Sicherheitsbestimmungen: Hier finden auch Medienkonferenzen des Bundesrats statt, diverse Politiker bis hin zu ausländischen Staatschefs können sich hier aufhalten. Mitte Februar wurde aus verschärft noch schärfer: Ein Zugangs-Badge reicht nicht mehr, es wird auch «vereinzelt».

Medienzentrum Baume-Schneider Parmelin Rösti
Die Bundesräte Elisabeth Baume-Schneider, Guy Parmelin und Albert Rösti (v.l.n.r.) äussern sich über die Abstimmungsergebnisse, am 24. November 2024, im Medienzentrum in Bern. - keystone

Das bedeutet: Die zweite Türe – nach der Loge des Sicherheitspersonals – öffnet sich erst, wenn die erste Türe geschlossen ist. Beim Verlassen des Gebäudes das gleiche Spiel, nur umgekehrt.

Mindestens 18 Sekunden dauert die Prozedur, wenn man nicht grad Pech hat: Wenn man genau dann zum Interviewtermin will, wenn bereits ein anderes Journi-Gschpänli sehnlichst auf die sich öffnende zweite Türe wartet.

Keller-Sutter Medienzentrum
Die damalige Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter, die Direktorin der Eidg. Steuerverwaltung Tamara Pfammatter und Pascal Hollenstein, Kommunikationschef EFD, von links, sprechen kurz vor einer Medienkonferenz, am 15. August 2025, im Medienzentrum in Bern. - keystone

Genau dann, wenn die Türe ins Schloss fällt und man endlich dran wäre, kommt natürlich noch jemand aus der Gegenrichtung. Und dann noch jemand.

«Schikanös»: Es gab bereits einen Verletzten

«Unsere Mitglieder empfinden das neue Regime praktisch unisono als schikanös», teilt der Vorstand des Verbands der Bundeshausjournalisten (VBJ) mit. «Es gab sogar bereits einen Verletzten durch eine falsch eingestellte Türe.» Denn die Türen öffnen sich zu allem Unheil auch noch sehr langsam. Dies kann in der Eile zu Beulen am Kopf und Schlimmerem führen.

David Roth
Nationalrat David Roth (SP/LU) will nun Antworten von der Bundeskanzlei zum Zugang zum Medienzentrum. - keystone

Eine nie dagewesene Welle des Protests schwappe durch das Medienzentrum, so der VBJ-Vorstand. Nun will Nationalrat David Roth (SP/LU) in der Fragestunde wissen, ob sich die Bundeskanzlei der Verärgerung der Medienschaffenden bewusst sei. Mehrere Medienschaffende hätten sich an in gewandt, sagt er gegenüber Nau.ch. Roth ist sowohl Mitglied der zuständigen Kommission als auch der Mediengewerkschaft Syndicom.

Hoffnung auf bessere Lösung

«Die VBJ hat selbstverständlich nichts gegen Sicherheit», betont der Vorstand. Solange die Massnahmen tatsächlich diesem Ziel dienten. Doch freie Medien brauchten freien Zugang, auch zu ihren Büros. Deshalb habe man sich von Anfang an für eine massvolle Umsetzung eingesetzt.

«Die Bundeskanzlei wusste es aber besser», hält der VBJ-Vorstand fest. «Wir hoffen, dass nun wieder Vernunft einkehrt.» Und dass der Weg frei sei für Lösungen, die der Sicherheit, aber auch den Nutzerinnen und Nutzern dienen.»

Zuerst aber wird am Montag Bundeskanzler Viktor Rossi die Frage von Nationalrat Roth beantworten müssen. Ob er sich über die Aufmerksamkeit von über hundert Medienschaffenden freut?

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Kommentare

User #615 (nicht angemeldet)

Da flattert ja die Rosette...

User #4301 (nicht angemeldet)

Uiii, was ist denn mit David Roth passiert. Da ist etwas passiert.

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