Der Bundesrat will bei der Revision des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) auch die Qualitätsanforderungen im Bereich der Sprachkenntnisse für Ärzte erhöhen.
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Ein Arzt hält ein Stethoskop in der Hand. - dpa
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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bundesrat möchte die Sprachanforderungen an Ärzte erhöhen.
  • Diese Forderung ist jedoch stark umstritten unter den Ärzten.

Der Bundesrat will bei der Revision des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) auch die Qualitätsanforderungen für die Zulassung von Ärztinnen und Ärzten im ambulanten Bereich erhöhen. Umstritten sind die steigenden Anforderungen an die Sprachkenntnisse.

Ärztinnen und Ärzte, die Leistungen über die obligatorische Krankenversicherung abrechnen wollen, müssen laut der Vernehmlassungsvorlage der KVG-Revision mindestens drei Jahre in der Schweiz an einer anerkannten Weiterbildungsstätte gearbeitet haben.

Sie müssen elektronische Patientendossiers führen und über die notwendigen Sprachkenntnisse verfügen.

Nicht alle Anforderungen umsetzbar laut GDK

Die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) erachtet es als sinnvoll, dass die Qualitätsanforderungen von allen neue Leistungserbringern im ambulanten Bereich erfüllt sein müssen. Laut GDK sind aber derzeit nicht alle Anforderungen umsetzbar.

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Auch 52 Ärztinnen und Ärzte haben an der «grössten Wissenschaftlichen Zusammenarbeit aller Zeiten» teilgenommen. - Keystone

So dürfte insbesondere der Anschluss an ein gesamtschweizerisches Netzwerk zur Fehlermeldung nicht für alle Leistungserbringer erfüllbar sein. Solche Netzwerke stünden noch nicht flächendeckend zur Verfügung.

Aus Sicht der GDK ist es mit Blick auf Patientensicherheit, Versorgungsqualität und interprofessionelle Zusammenarbeit nicht nachvollziehbar, weshalb die übrigen Leistungserbringer diese Voraussetzungen bei der Zulassung nicht ebenfalls erfüllen müssen.

Bestimmung wirke «abschreckend»

Auch die Ärzteschaft spricht sich nicht grundsätzlich gegen Massnahmen zur Verbesserung der Qualität aus. Umstritten ist allerdings eine generelle Anhebung des Niveaus der erforderlichen Sprachkenntnisse auf das Niveau C1.

Laut FMH wird das Niveau der erforderlichen Sprachkenntnisse in der Verordnung zwar berechtigterweise hoch angesetzt. Es könne aber nicht sein, dass Ärzte, die diese Sprache als Grundlagenfach an der Maturitätsprüfung absolviert hätten, zusätzliche Sprachprüfungen ablegen müssten, wenn sie innerhalb der Schweiz die Sprachregion wechselten.

Sprachkenntnisse.
Die Anforderungen an Ärzte werden erhöht. - sda - Keystone/GAETAN BALLY

Auch die Konferenz der Kantonalen Ärztegesellschaften (KKA) betont, dies stelle paradoxerweise eine sinnlose Hürde für Schweizer Ärzte dar. Diese sollten mit Sprachkenntnissen, die sie im Rahmen ihrer Maturität erworben hätten, in den verschiedenen Sprachregionen arbeiten können.

Mit den in der Vorlage festgelegten nachzuweisenden formalen Sprachkenntnissen wirke die Bestimmung abschreckend auf die Rekrutierung von dringend benötigtem medizinischen Fachpersonal aus dem Ausland, heisst es bei den Privatkliniken Schweiz.

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