Stadtparlament genehmigt Jahresrechnung 2025 der Stadt
Die Jahresrechnung 2025 der Stadt Wil weist ein Defizit von 2,3 Millionen Franken aus. Das Budget hatte mit 4,8 Millionen Franken Aufwandüberschuss gerechnet.

Das Stadtparlament Wil hat an seiner Sitzung vom 21. Mai 2026 unter anderen die Jahresrechnung der Stadt beraten.
Die Jahresrechnung 2025 der Stadt Wil weist ein Defizit von 2,3 Millionen Franken aus, wie die Stadt Wil mitteilt. Das vom Stadtparlament verabschiedete Budget 2025 sah einen Aufwandüberschuss von 4,8 Millionen Franken vor.
Das Betriebsdefizit beläuft sich auf 21 Millionen Franken und schliesst gegenüber dem Budget um 2,7 Millionen Franken schlechter ab.
Gewinn- und Kapitalsteuern schliessen unter den Erwartungen ab
Auf der Ertragsseite machen sich weiterhin rückläufige Steuereinnahmen bei den Gewinn- und Kapitalsteuern bemerkbar. Diese schliessen 3,1 Millionen Franken unter den Erwartungen ab.
Zudem fallen die Nachzahlungen bei den Steuereinnahmen natürlicher Personen 2 Millionen Franken tiefer aus als erhofft. Gesamthaft unterschreitet die Fiskalerträge das Budget um 3,1 Millionen Franken.
Auf der Aufwandseite belasten Sanierungsverpflichtungen für die Schiessanlage Thurau mit über 1,7 Millionen Franken die Rechnung zusätzlich. Diese mussten aufgrund kantonaler Vorgaben in der Jahresrechnung 2025 als Rückstellung gebildet werden.
Die Abgaben der Technischen Betriebe Wil (TBW) belaufen sich auf 11,3 Millionen Franken. Dies sind 3 Millionen Franken mehr als veranschlagt. Gegenüber dem Vorjahr steigen die Abgaben um 5,1 Millionen Franken.
Rund 200 Franken mehr Nettoschuld pro Einwohner
Die Buchgewinne auf dem Finanzvermögen betragen 6,7 Millionen Franken und fallen 3,3 Millionen Franken über Budget aus. Die Buchgewinne stammen aus höheren Bewertungen der Liegenschaften und Grundstücken im Finanzvermögen. Preissteigerungen am Immobilienmarkt führen dazu, dass die Verkehrswertanpassungen gemäss Rechnungslegung erfolgswirksam zu verbuchen sind.
Die Nettoinvestitionen belaufen sich auf 17,2 Millionen Franken. Der Selbstfinanzierungsgrad liegt bei 62 Prozent. Die Investitionen sind somit zu 38 Prozent fremdfinanziert.
Die Nettoschulden steigen um 6,6 Millionen Franken auf 43,1 Millionen Franken. Die Nettoschuld pro Einwohner erhöht sich auf 1698 Franken (Vorjahr: 1459 Franken).
Der gesamte Finanzierungsbedarf der Stadt beträgt 17,9 Millionen Franken (negativer Free Cash Flow). Die langfristigen Finanzverbindlichkeiten (Darlehen) erhöhen sich per Bilanzstichtag um 20 Millionen Franken und betragen neu 150 Millionen Franken.
GPK analysiert wesentliche Faktoren mit Blick auf das Rechnungsergebnis
Einleitend beleuchtete Luc Kauf namens der GPK wesentliche Faktoren, welche das Ergebnis der Stadt Wil im Vergleich mit dem Budget 2025 oder mit den Vorjahren positiv oder negativ beeinflusst haben.
Dabei ging er unter anderem auf das strukturelle Defizit, die Abnahme der Steuererträge, hohe Buchgewinne oder die Aufwände für die Altlastensanierung der Schiessanlage Thurau ebenso ein wie auf die Bedeutung der hohen TBW-Abgaben für den städtischen Haushalt, den Anstieg des Personal- wie auch des Sachaufwandes, die Verschuldung, steigende Kapital- und Finanzierungskosten sowie auf den Realisierungsgrad von Investitionen.
In der allgemeinen Diskussion gingen die Fraktionen auf verschiedene Aspekte der Jahresrechnung ein.
SVP kritisiert «Sparprogramm light», Die Mitte/EVP fokussiert Betriebsdefizit
Die SVP kritisierte unter anderem zu hohe Ausgaben für die Kultur beziehungsweise den Hof zu Wil, Energieberatungen für Liegenschaftenbesitzende, Labels oder teure Veloparkanlagen als zu hoch und konzeptlos. Zudem habe der Stadtrat nur ein Sparprogramm light geschnürt anstatt das strukturelle Defizit mit wirkungsvollen Massnahmen effektiv anzugehen.
Die Fraktion Die Mitte/EVP hob das Betriebsdefizit von 21 Millionen Franken hervor – die Ausgaben- und Einnahmenseite sei arg aus dem Gleichgewicht, auch die Steuererträge seien abnehmend und wohl auch künftig unter Druck.
Mit Sorge sehe man auch die Abhängigkeit von Sondereffekten wie Buchgewinnen und TBW-Abgaben. Die Schuldenlast und die Verschuldung pro Kopf seien in den vergangenen Jahren deutlich gewachsenen, ebenso die Höhe des Fremdkapitals. Die Stadt lebe über ihre Verhältnisse – um die Handlungsfähigkeit der Stadt sicherstellen zu können, brauche es klare Priorisierungen und die gemeinsame Arbeit für konkrete, machbare Lösungen.
SP will strukturelles Defizit angehen, die Grünen fordern Priorisierung von Projekten
Das Ergebnis scheine auf den ersten Blick erfreulich zu sein, hielt die SP-Fraktion fest – das Defizit sei halb so gross wie budgetiert. Dennoch sei dieses Ergebnis mit Vorsicht zu geniessen, da es vor allem auf Buchgewinnen und den hohen TBW-Abgaben zu Stande gekommen sei.
Das strukturelle Defizit müsse unbedingt angegangen werden. Das beinhalte auch geeignete Massnahmen im Bereich Steuerfuss, der in den letzten Jahren schrittweise um insgesamt 14 Prozentpunkte gesenkt worden sei. Dieses Geld auf der Einnahmenseite habe der Stadt nicht erst im vergangenen Jahr gefehlt.
Die Fraktion GRÜNE prowil nahm das tiefere Defizit zur Kenntnis, verwies aber auf das strukturelle Defizit und das negative betriebliche Ergebnis. Ohne Sondereffekte sähe das Ergebnis noch wesentlich schlechter aus – Sondereffekte, auf die man sich nicht einfach als gegeben verlassen könne für die kommenden Jahre.
Die steigende Verschuldung und die zu tiefe Umsetzungsquote bei zentralen Investitionsprojekten für die lebendige Zukunft der Stadt Wil sehe der Fraktion ebenfalls mit Sorge. Es brauche überparteilich getragene Kompromisse und Lösungen sowie eine klare Priorisierung von relevanten Projekten.
FDP/GLP: Stadt muss sich wieder auf wesentliche Kernaufgaben fokussieren
Die FDP/GLP-Fraktion kritisierte, dass die Investitionen des vergangenen Jahres grossenteils auf Pump finanziert worden sei – das erhöhe die Schulden- und Zinslast und überfordere die Finanzen der Stadt Wil, auch angesichts kommender Grossprojekte.
Hier fehle es an Priorisierungen und sinnvollen Etappierungen; das sei kein solides Finanzmanagement, sondern politisches Wunschdenken. Manchmal sei weniger mehr, die Stadt müsse sich wieder auf wesentliche Kernaufgaben fokussieren. Auch im Vergleich mit umliegenden Städten und Gemeinden stehe die Stadt Wil mit dem betrieblichen Defizit von 21 Millionen Franken alleine auf weiter Flur da.
Stadtpräsident Hans Mäder hielt fest, dass der Stadtrat den Rechnungsabschluss, das strukturelle Defizit und auch die finanziellen Aussichten für die kommenden Jahre sehr ernst nehme und sich der Notwendigkeit des Sparens bewusst sei.
Dennoch gehe es auch darum, Investitionen in wichtige Projekte nicht einfach unbesehen zu streichen – die Stadt müsse sich entwickeln können, zudem würden diese Investitionen auch dem Gewerbe zu Gute kommen.
Jahresrechnug mit 27 Ja- zu 8 Nein-Stimmen und einer Enthaltung genehmigt
Die Fraktion Grüne Prowil stellte den Antrag, in der Investitionsrechnung den Kredit für die Planung der energetischen Sanierung des Kindergartens Waldegg, Flurhof, im Betrag von 100'000 Franken nicht zu streichen. Das Stadtparlament lehnte diesen Antrag mit 22 Nein- zu 14-Ja-Stimmen bei 1 Enthaltung ab.
Das Stadtparlament genehmigte die Jahresrechnung 2025 der Stadt Wil mit 27 Ja- zu 8-Nein-Stimmen bei 1 Enthaltung und belastete den Aufwandüberschuss von 2'270'202.10 Franken dem Bilanzüberschuss.






