Gelegentlich verlieren Containerschiffe auf hoher See Ladung. In den letzten zwei Jahren hat sich dies jedoch gehäuft. Der finanzielle Verlust ist immens.
Containerschiffe in Los Angeles
Containerschiffe in Los Angeles - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • In den Jahren 2020 und 2021 verloren Containerschiffe auffallend viel Ladung.
  • Dabei belief sich der Wert der verlorenen Ware auf mehrere 100 Millionen Euro.
  • Demnach liegt das Problem bei den gängigen Sicherungssystemen.

Containerschiffe verlieren auf hoher See immer wieder Ladung. In den vergangenen beiden Jahren haben sich solche Fälle nach Angaben der Versicherungswirtschaft sogar «auffallend gehäuft».

Allein im Winterhalbjahr von 2020 auf 2021 belief sich der Wert der verlorenen Ware auf «mehrere 100 Millionen Euro». Dies teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Mittwoch mit.

«Das Grundproblem ist, dass die Fahreigenschaften grosser Containerschiffe und die gängigen Sicherungssysteme nicht mehr zusammenpassen». Dies erklärte die stellvertretende GDV-Hauptgeschäftsführerin Anja Käfer-Rohrbach. Der Verband fordert «grundlegendes» Überdenken der Sicherungssysteme.

«Wir müssen diese Entwicklung stoppen»

Auch im Laufe des Jahres 2021 habe sich die Lage nicht verbessert: Im Oktober verlor die «ZIM Kingston» beispielsweise über 100 Container und geriet in Brand. Im November gingen auf der «Cosco Nagoya» 38 Container über Bord. «Wir müssen diese Entwicklung stoppen: Die Containerverluste gefährden die Besatzung und das Schiff, verursachen hohe Kosten und tragen zur Verschmutzung der Meere bei», erklärte Käfer-Rohrbach.

Die hohe Anzahl der Zwischenfälle führen die GDV-Experten auf die zunehmende Grösse der Schiffe zurück. Teilweise über 60 Meter breit, richten sich die Containerschiffe auch in unruhiger See sehr schnell wieder auf.

ever given
Die «Ever Given». - AFP

Durch die schnelle Bewegung wirken starke Kräfte auf die gestapelten Container. Dies kann zu gefährlichen seitlichen Schwingungen führen, dem sogenannten Rollen. Hinzu kommen die grossen Angriffsflächen für den Wind an den bis zu zwölf Container hohen Ladungsstapeln.

Der gefährlichen Rollbewegung entgegenwirken könnten laut GDV sogenannte Rolldämpfungstanks, gefüllt mit Ballastwasser. Bislang ist der Einbau solcher Tanks allerdings nicht vorgeschrieben, nur wenige Reedereien statten ihre Schiffe laut GDV mit Rolldämpfungstanks aus.

Der GDV forderte ausserdem, die Auslegung der Sicherungssysteme «grundlegend» zu überdenken. Sie müssten der Dimension und den tatsächlichen Seegangseigenschaften der Schiffe angepasst werden. Auch die Qualität und Gewichtsangaben der geladenen Container müsse besser überprüft werden, forderte der GDV.

Mehr zum Thema:

Euro