Ein wichtiger Briefwechsel der deutschen Pianistin Clara Schumann befindet sich neu in öffentlicher Hand. Rund 400 Briefe sind nun weltweit digital verfügbar.
Clara Schumann
Eine Sonderbriefmarke zum 200. Geburtstag von Clara Schumann liegt in einem Sonderpostamt im Rathaus Leipzig. - dpa

Die Korrespondenzen zwischen der deutschen Pianistin Clara Schumann (1819-1896), ihrem vormaligen Schüler Ernst Rudorff (1840-1916) und dem Komponisten Johannes Brahms (1833-1897) sind in öffentlicher Hand und weltweit digital verfügbar.

Das bisher weitgehend unbekannte Konvolut von rund 400 Briefen wurde von der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek auch mithilfe des Bundes und der Kulturstiftung der Länder aus Privatbesitz erworben.

Damit werde es für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich, das sei «einer der seltenen Glücksfälle», sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters in einer Videobotschaft. Kulturgüter seien immer auch Botschafter für nachfolgende Generationen, «sie vermitteln Geschichte und kulturelle Identität».

Der Direktor der Sächsischen Landesbibliothek, Achim Bonte, sprach von einer «Sternstunde», damit seien der Forschung «buchstäblich keine Schranken mehr gesetzt». Die Schumann-Forschung gehe davon aus, dass es der letzte grosse Briefwechsel ist, der noch fehlt, sagte Barbara Wiermann, Leiterin der Musikabteilung.

«Sie sind auch Dokumente einer Musikepoche und bieten Einblicke in die Musikwelt Europas zwischen 1858 und 1896», sagte der Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, Markus Hilbert.

Erben des Pianisten, Komponisten und Dirigenten Rudorff hatten die Korrespondenzen dem Auktionshaus Sotheby's angeboten, die im Sommer 2020 geplante Veräusserung war aber gestoppt worden. Nach Angaben von Bonte bestand die Gefahr, dass «dieses deutsche Kulturgut» ins Ausland und damit verloren geht. Die rund 2000 Seiten wurden «für einen namhaften sechsstelligen Betrag» angekauft.

Das Konvolut enthält Briefe, Postkarten, Telegramme, Notizen der zu ihrer Zeit schon europaweit bekannten Pianistin. Sie geben detailreiche Einblicke in Leben, Beruf und Reisen «dieser aussergewöhnlichen Musikerin», und die Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts insgesamt, sagte Grütters.

Aber auch zu Politik und Gesellschaft tauschte sie sich mit ihrem Freund Rudorff aus. Viele der Fragestellungen in dessen Briefwechsel mit Brahms tauchten im heutigen Kulturbetrieb wieder auf, etwa wie Frauen Familie und künstlerische Entfaltung unter einen Hut bekommen.

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