Ukraine Krieg: Das droht Anonymous-Hackern aus der Schweiz

Anonyme Hacker greifen Russland im Ukraine-Krieg über die digitalen Kanäle an. Ein Rechtsanwalt erklärt, welche Strafen Schweizer Hackern drohen.

Im Ukraine-Krieg legen anonyme Hacker Steine in den Weg. (Symbolbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Ukraine-Krieg häufen sich die Hacker-Angriffe gegen den russischen Aggressor.
  • Hinter den Angriffen steht das anonyme Hacker-Kollektiv Anonymous.
  • Hacker aus der Schweiz machen sich strafbar, wie ein Rechtsanwalt nun erklärt.

Der Ukraine-Krieg spielt sich nicht nur an der Front ab, im Netz tobt auch ein Cyberkrieg. Gegen den russischen Aggressor in Stellung gebracht hat sich das berüchtigte Hacker-Kollektiv Anonymous.

Die «Hacktivisten» legen im Ukraine-Krieg russische Propaganda-Medien und Regierungswebseiten lahm. Sie hacken E-Mail-Konten von russischen Unternehmern. Und: Diese Woche publizierte Anonymous sensible Daten von 120'000 Russen-Soldaten – darunter Namen, Adressen, Geburtsdaten und Passnummern.

Das Kollektiv Anonymous veröffentlichte im Ukraine-Krieg Daten von Russen-Soldaten. - Screenshot

«Jeder Soldat, der an der Invasion in der Ukraine teilnimmt, gehört vor das Kriegsgericht», so die Begründung des Kollektivs.

Anonyme Hacker greifen in Ukraine Krieg ein

Wer hinter den Cyberangriffen gegen Russland steckt, ist nicht bekannt. Was würde aber passieren, wenn dabei Aktivisten aus der Schweiz auffliegen würden? Drohten ihnen dann rechtliche Konsequenzen?

Nau.ch hat dafür Martin Steiger befragt. Der Zürcher Rechtsanwalt hat sich auf das Recht im digitalen Raum spezialisiert. Er sagt: «Hacking kann in der Schweiz strafbar sein.»

Martin Steiger ist Anwalt für Recht im digitalen Raum. - zVg/Daniela Grünenwald

So existieren Straftatbestände wie das «unbefugte Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem» und «Datenbeschädigung».

Doch: Ganz so simpel ist die juristische Beurteilung dann noch nicht, wie Steiger erklärt. «Ob Hacking im Einzelfall tatsächlich strafbar ist, müssen Staatsanwaltschaften und Gerichte entscheiden.»

Sollte ein Strafverfahren gegen einen Hacker oder eine Hackerin eingeleitet werden, steht erst einmal eine Hausdurchsuchung an. Dabei werden alle Computer, Smartphones und sonstige IT sichergestellt, so Steiger.

Das droht aufgeflogenen Hackern

Anschliessend drohen Untersuchungshaft und Einvernahmen durch die Polizei und Staatsanwaltschaft – und saftige Strafen. «Die Strafandrohung lautet grundsätzlich auf Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe», so der Rechtsanwalt.

Allerdings dürften die meisten mit einem blauen Auge davonkommen. Steiger geht davon aus, «dass die meisten Hackerinnen und Hacker nie strafrechtlich verfolgt werden». Denn: «Strafverfahren wegen Hacking werden meist überhaupt nur geführt, wenn betroffene Personen Strafanzeige erstatten.»

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Der Digitalexperte warnt Aktivisten aber dennoch davor, sich aufgrund der Anonymität in Sicherheit zu wiegen. Zwar haben Hacker viele Möglichkeiten, ihre Identität zu verbergen, so Steiger. «Allerdings ist es schwierig, auf Dauer anonym zu bleiben. Ein Fehler genügt, um aufzufliegen.»