Trump in Kenosha: Schauplatz anti-amerikanischer Proteste

US-Präsident Trump hat den Einsatz für Recht und Ordnung zum Kern seines Wahlkampfs gemacht. Nach Unruhen bei Anti-Rassismus-Protesten besucht Trump Kenosha - obwohl er gebeten wurde, der Stadt fernzubleiben.

US-Präsident Donald Trump (M) ist nach Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin gereist. Foto: Evan Vucci/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • US-Präsident Donald Trump ist am Dienstag in die Stadt Kenosha gereist, die nach den Schüssen eines Polizisten in den Rücken eines Schwarzen von Protesten erschüttert wurde.

In den Strassen wurde der Konvoi des Präsidenten von Demonstranten gegen Rassismus und Polizeigewalt, aber auch von Trump-Anhängern empfangen. Trump schaute sich ein während der zum Teil gewaltsamen Proteste abgebranntes Geschäft an und traf sich mit Vertretern von Sicherheitskräften und einigen örtlichen Unternehmern.

Kenosha sei von Krawallen getroffen worden, die «gegen die Polizei gerichtet und anti-amerikanisch gewesen seien», sagte Trump. «Es war kein friedlicher Protest, sondern inländischer Terrorismus.» Trump versprach zugleich eine Million Dollar Unterstützung für die örtliche Polizei und vier Millionen Dollar für den Wiederaufbau von Geschäften in Kenosha.

Vor dem Besuch hatten sich der Bürgermeister der Stadt und der Gouverneur des Bundesstaates Wisconsin, beides Demokraten, gegen einen Besuch des Präsidenten ausgesprochen. Sie warnten, dass Trumps Anwesenheit die Spannungen verstärken könnten.

Die Proteste brachen aus, nachdem der 29-jährige Afroamerikaner Jacob Blake bei einem Polizeieinsatz schwer verletzt worden war. Auf einem Video war zu sehen, wie ein Polizeibeamter Blake zunächst mit gezogener Waffe um ein Auto herum folgt. Als Blake die Fahrertür aufmacht und sich hinein beugt, fallen Schüsse. Das Video hatte landesweit Empörung ausgelöst. Mitglieder der Blake-Familie lehnten ein Treffen mit Trump ab. Der Präsident hatte zwar wiederholt Gewalt durch angeblicher linke Radikale verurteilt, aber das Video mit den Schüssen auf Blake lediglich als «schlechten Anblick» bezeichnet.

Im Vorfeld hatten sich Trump und sein Herausforderer Joe Biden gegenseitig Versagen im Umgang mit der Gewalt im Land vorgeworfen. Trump sagte am Montagabend (Ortszeit) im Sender Fox News mit Blick auf den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten: «Er ist eine schwache Person.» Biden werde von Menschen im «dunklen Schatten» kontrolliert.

Biden wiederum sagte am Montag bei einem Wahlkampfauftritt: «Es wüten Brände und wir haben einen Präsidenten, der die Flammen anfacht, anstatt sie zu bekämpfen.»

Trump hatte die Debatte über seinen Besuch am Montag angeheizt, indem er einen 17-jährigen weissen Schützen verteidigte, der am Rande der Proteste in Kenosha zwei Menschen erschossen haben soll. Trump suggerierte, der junge Mann habe in Notwehr gehandelt. Demonstranten hätten ihn «sehr gewalttätig» angegriffen und er «wäre wohl getötet worden». Ein Video von Augenzeugen zeigt, wie der mit einem Gewehr bewaffnete Schütze vor Demonstranten wegrennt, bevor er stürzt und das Feuer eröffnet. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Demonstranten ihn getötet hätten. Der 17-Jährige wurde wegen zweifachen Mordes angeklagt, sein Anwalt spricht von Selbstverteidigung.

Trump und Biden treten bei der Wahl am 3. November gegeneinander an. Trump hat «Recht und Ordnung» zur Kernaussage seines Wahlkampfs gemacht. Biden wirft Trump vor, damit vom Versagen der Regierung in der Corona-Pandemie ablenken zu wollen, die mehr als 180.000 Menschen das Leben gekostet hat. «Er hat dabei versagt, Amerika zu schützen, also versucht er, Amerika Angst zu machen», sagte Biden. «Er soll dieses Land schützen. Aber stattdessen feuert er Chaos und Gewalt an.» Biden betonte: «Ich will ein sicheres Amerika - sicher vor Covid, sicher vor Verbrechen und Plünderungen, sicher vor rassistisch motivierter Gewalt, sicher vor schlechten Polizisten.»