WEBVTT

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Die Gurlitt-Ausstellung geht in die zweite Runde unter dem Titel 
«Der NS-Kunstraub und die Folgen»

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Ich wollte vom Erziehungs- und Kulturdirektor des Kantons Bern 
Bernhard Pulver wissen, welche Bedeutung die Ausstellung für Bern hat.

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Es ist eine grosse Chance für Bern, um zu zeigen, 
dass das Kunstmuseum die Verantwortung,

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die mit dem Erbe auf uns zugekommen ist, sehr sorgfältig annehmen konnte.

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Das Erbe hat viele Fragen aufgeworfen. Wollen wir überhaupt 
als entartet geltende Kunstwerke im Museum haben?

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Das ist selbstverständlich kein Problem, aber dass sie den Museen in Deutschland weggenommen worden sind, ist eines.

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In der heutigen Ausstellung sieht man nun Kunstwerke,

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die entweder als Raubkunst Menschen weggenommen wurden oder in einer Notsituation zu einem tieferen Preis verkauft werden mussten.

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Ausserdem wollte ich wissen, was passiert, 
wenn sich ein Gemälde als Raubkunst entpuppt.

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Die bleiben in Deutschland. Wir haben abgemacht, dass Werke in Deutschland bleiben, bei denen nicht sicher ist, ob sie nun Raubkunst sind.

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Technisch war es anders. Wir haben gesagt, 
dass das Kunstmuseum das Erbe für diese Werke ausschlägt .

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Faktisch heisst es, dass sie an den deutschen Staat kommen. 
Das war auch mit Deutschland so abgemacht.

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Deutschland hatte bei der Vereinbarung klar das Interesse daran, 
dass sie das Thema Raubkunst und Restitution korrekt aufarbeiten können.

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Das ist eine wichtige Aufarbeitung eines Teils der deutschen Geschichte.

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Von Nina Zimmer wollte ich wissen, wer Gurlitt eigentlich ist 
und in welcher Beziehung er zu den Nationalsozialisten stand.

00:01:32.470 --> 00:01:41.990 
Er diente dem Regime als Verwerter der beschlagnahmten Moderne. 
Das ist sozusagen der Sündenfall.

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Da fing er an, mit dem Regime zu arbeiten. 
In einer nächsten Stufe wird er in den Vierzigerjahren im besetzten Paris tätig.

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Dann erhält er den Auftrag, direkt für Hitler Ankäufe für das sogenannte Führermuseum in Linz zu machen,

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wofür viele geraubte Kunstwerke auf dem Pariser Markt erworben wurden.

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Also kann man sagen, 
dass er im dunkelsten Kapitel der direkte Kunsthändler Hitlers war?

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Genau. 
Und das Kapitel wird nach dem zweiten Weltkrieg von ihm ausgeblendet.

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Wir zeigen auch, wie er sich nach dem Krieg gerechtfertigt hat, er war sehr schnell wieder ein anerkannter Leiter einer Institution in Düsseldorf.

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Er hat sich selbst als Seiltänzer bezeichnet, 
als wäre da ein Gleichgewicht zwischen zwei gleich starken Kräften.

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Man muss allerdings sagen, dass er deutlich auf einer Seite war. 
Deutlich auf der «Dunklen Seite der Macht» in den Vierzigerjahren.

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Er lügt auch nach dem zweiten Weltkrieg, unterschlägt Beweise,

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Familienangehörige von Opfern fragen nach dem Verbleib der Werke, 
ob er sie gehandelt hat, wohin sie gekommen sind...

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Er hatte die Werke noch in seinem Besitz, verschwieg das aber.

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Wir können ihn in dieser Ausstellung mehrfach der  
 direkten Lüge und Manipulation überführen.

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Auch anhand von Dokumenten.

00:03:18.980 --> 00:03:24.240 
Zweiter Teil der Gurlitt-Ausstellung mit dem Titel 
«Der NS-Kunstraub und die Folgen»

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kann vom 19. April bis 15. Juli 
hier im Kunstmuseum Bern angeschaut werden.

